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Bild 107: Ein an Pocken erkrankter Mensch liegt unter großen Schmerzen auf seinem Schlafplatz. Er kann sich kaum bewegen, ausstrecken oder umlegen. Viele starben verlassen an Hunger. Von den wenigen, die überlebten, verloren einige ein Auge oder erblindeten.
(Originaldatei auf Wikimedia Commons)

Im Mittelalter starb jedes 10. Kind an Pocken, noch bevor es das zehnte Lebensjahr erreichte. Die Pocken erreichten Europa wahrscheinlich im Jahr 165, als siegreiche römische Truppen aus Syrien zurückkehrten. Ab da verbreitete sich die Seuche und wütete 24 Jahre lang. Ein Massensterben über weite Landstriche war die Folge. Dieses Massensterben ging als „Antoninische Pest“ in die Geschichte ein. Ab da trat die Krankheit immer wieder in Deutschland vereinzelt auf. Ab dem 11. Jahrhundert trugen die Kreuzritter wesentlich zur Verbreitung der Pocken bei und ganz Europa bis in den Nahen Osten litt unter den Pocken, die Angst und Schrecken unter den Menschen verursachten. In manchen Gegenden gehörten Kinder auch erst ab dem 10. Lebensjahr richtig zur Familie, da die Angst der Eltern, ihr Kind durch die Pocken zu verlieren, zu groß war.

Ruhr (auch Dysenterie) heißt eine fieberhafte Krankheit, die von Schmerzen im Unterleib und häufigem Drang zum Stuhlgang begleitet wird. Jedoch wird bei der Ruhr der Kot im oberen Teil des Darmkanals zurückgehalten und ausgeleert wird nur eine schleimige oder blutige Flüssigkeit.Übertragen wird die Ruhr zumeist über verseuchtes Trinkwasser oder über Fliegen, die den Überträger bspw. aufnehmen, wenn sie sich zuerst auf Kot setzen und sich dann auf Essen setzen und ihn dort abladen, von wo er dann in den Menschen gelangt.Überträger der Ruhr können Amöben oder Bakterien sein. Dementsprechend unterscheidet man auch in Amöbenruhr und Bakterienruhr:

1. Amöbenruhr: Der Erreger sind Amöben, die sich im menschlichen Dickdarm durch Zellteilung vermehrt.

2. Bakterienruhr: Erreger sind „Shigellen. „Als sehr widerstandsfähige Dauerformen kann der Erreger Zysten bilden und in dieser Form im Dickdarm verbleiben – unter Umständen jahrelang ohne jegliche Krankheitsanzeichen zu verursachen – und wird auch mit dem Stuhl ausgeschieden („Minutaform“). Der Infizierte ist also gleichzeitig Überträger. Die ausgeschiedene Dauerform kann in der Außenwelt monatelang infektiös bleiben.“ (Wikipedia). Gefährlich ist vor allem der Wasser- und Elektrolyt-Verlust durch den häufigen, durch Krämpfe begleiteten Stuhlgang, bei dem zumeist Schleim und/oder Blut ausgeschieden werden. In Folge dessen kann es zu Krämpfen, Nierenversagen, Kreislaufkollaps oder Koma kommen. Besonders häufig trat die Ruhr – vor allem im Mittelalter – zu Notzeiten auf. Denn durch die Nahrungsmittelnot war das Immunsystem der Menschen geschwächt, wodurch sich der Körper kaum gegen die eindringenden Erreger selbst wehren konnte.

Die bekannteste Krankheit die im Mittelalter Verbreitung fand war die Pest, der schwarze Tod (große Pestepidemie: 1347-51 in Europa). Als Ursache der Pest vermutete man im Mittelalter wie auch bei anderen Krankheiten Veränderungen der Luft, giftige Dünste und schlechte Sternenkonstellationen. Das berühmte Pariser Gutachten von 1348 erklärte das Auftreten der Krankheit damit, dass am 20. März des Jahres 1345 die drei oberen Planeten im Hause des Wassermanns zusammentraten, um eine besonders feuchte und gefährliche Ausdünstung auszustrahlen, die sich in der Lunge zu einer giftigen Materie zusammenballte, die die Pest erzeugen sollte.

Die meisten Menschen des Mittelalters konnten sich das Auftreten der Pest nicht erklären. Um ihre Angst zu bewältigen, wurde die Schuld auf andere geschoben. Der Zorn der Bevölkerung richtete sich gegen Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner und gegen die Juden. Die Juden wurden beschuldigt die Brunnen vergiftet zu haben, dass die Juden selbst an der Pest erkrankten und auch starben, galt kaum als Beweis für deren Unschuld. Was tun die Ärzte? Sie glaubten, die Ursache sei eine Vergiftung der Luft, und rieten den Menschen, Türen und Fenster zu verriegeln oder auf Höhen Zuflucht zu suchen. Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die Fenster nur nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit war verboten, schwere Arbeit verpönt. Als gefährlich galt feuchtschwüles Klima und Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art.

Bild 108: Die Beulenpest war einer der Schrecken der mittelalterlichen Menschen. Auf dem Bild erkennt man zwei Erkrankte, es ist jedoch wahrscheinlicher, dass hier die Pocken abgebildet sind – von der Lage und Größer der Beulen her.
(Originaldatei von: Wikimedia Commons)

Die Religion bot vielen Menschen eine Erklärung für die Pest und andere Krankheiten. Der Körper war ein Werkzeug, das dem Menschen bei der Erfüllung seines gottesfürchtigen Alltagswerkes dienen sollte. War man gesund, so galt das als Zeichen der Gnade Gottes und als Hinweis darauf, dass Gott mit einem zufrieden war. War man aber krank, konnte das entweder als Prüfung Gottes verstanden werden, oder aber als Strafe für eine falsche Lebensführung. Die „natürlichen“ Krankheiten, wie die Seuchen, die auch über „gute“ Menschen hereinbrechen konnten wurden mehr als Prüfung Gottes verstanden. Wer sie überlebte bewies das Wohlgefallen, das Gott mit ihm hatte. Anders die Lepra (Aussatz), sie wurde als Krankheit gesehen, deren Auftreten man durch sein eigenes Verhalten verschuldet hatte. Lepra galt als Krankheit die durch Geschlechtsverkehr übertragen wurde und als Strafe Gottes. Auch brachte man das Auftreten der Symptome (Verdickung der Haut, Schädigung des Kehlkopfs und Empfindungsstörungen) mit dem schlechtenKlima und verdorbenem Essen in Verbindung.

In der Krankheitslehre des Mittelalters finden sich humoralpathologische, pneumatische und mechanistische Elemente. Die Grundlage bildete die Säftepathologie. Wie in der Antike beherrschten die vier Säfte des Menschen – Blut, Schleim (Phlegma), gelbe Galle (Cholera) und schwarze Galle (Melancholie) den Stoffwechsel. Der Zustand der Gesundheit war abhängig von dem Gleichgewicht der Säfte, bzw. der von ihnen vertretenen Primärqualitäten (Feuchtigkeit, Kälte, Wärme, Trockenheit). Die Krankheit brach erst bei starker Abweichung von den normalen Verhältnissen aus, wobei sich die Säfte entweder quantitativ oder qualitativ veränderten. Als Krankheitsursache rechnete man primär mit fehlerhafter Lebensführung (z.B. in Bezug auf: Nahrung, Geschlechtsverkehr, Vergiftungen, aber auch starke Gerüche etc.). Das Klima (Temperatur und Feuchtigkeit) gehörte auch zu den wichtigen Auslösern von Krankheit. Durch eingeatmete verdorbene, schlechte Luft, die zu viel Feuchtigkeit besaß, wurde zum Beispiel das Blut mit erhitzter Fäule entzündet und verdorben. Die Vergiftung durch Nahrung zählte im Mittelalter auch zur Ursache von Krankheiten. Ein Beispiel für die Vergiftung durch Nahrung wäre das Antoniusfeuer, dessen Auslöser ein giftiger Pilz war, der sich in die Roggenähre einnistete. Die Menschen im Mittelalter erkannten die Krankheitsursache allerdings nicht.

Der Mensch hat sieben Genossen im Leben, die ihn plagen: Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Müdigkeit, Krankheit und Tod. Das Leben im Mittelalter war von Krankheit geprägt. Der Tod war allgegenwärtig.

Quellen:

  • Leider sind die Quellenangaben für diesen Essay verloren gegangen.

Die Entscheidung über die Bestellung eines Betreuers erfolgt durch das Betreuungsgericht. Es hat dabei zu prüfen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen (§ 1896 BGB) gegeben sind.

Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Betreuungsgericht (Teil des Amtsgerichtes) für ihn auf seinen Antrag oder von Amts wegen einen Betreuer. Im württembergischen Teil von Baden-Württemberg ist für die Betreuerbestellung der Notar nach Maßgabe von § 37 des Landesgesetzes Baden-Württemberg über die freiwill. Gerichtsbarkeit) zuständig.

Nur ein Volljähriger, also jemand, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, kann einen Betreuer erhalten. Ausnahme: nach § 1908 BGB ist bei einem 17jährigen die vorsorgliche Betreuerbestellung möglich, diese wird aber erst mit Erreichen der Volljährigkeit rechtswirksam. Die gesetzliche Vertretung eines Minderjährigen, der die u.g. (medizinischen) Voraussetzungen erfüllt, obliegt weiterhin den Eltern bzw. im Falle eines Sorgerechtsentzugs (oder Feststellung des Ruhens der elterlichen Sorge) einem Vormund.

Voraussetzung zur Betreuerbestellung ist eine psychische Krankheit oder eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung.

  • a) psychische Krankheiten: Hierzu zählen alle körperlich nicht begründbaren seelischen Erkrankungen; jedoch auch seelische Störungen als Folge von Erkrankungen (z.B. Hirnhautentzündungen) oder Hirnverletzungen. Gleiches gilt für Neurosen (Zwangshandlungen) oder Persönlichkeitsstörungen (Psychopathien);

Vor allem für die Suchtleiden, Psychopathien und Neurosen kann allerdings der rein medizinische Krankheitsbegriff nicht ausschlaggebend sein. Denn der Betreuer wird bestellt, um Entscheidungen an Stelle des Betreuten zu treffen. Rein ausführendes Organ solcher Entscheidungen kann er nicht sein, dazu ist kein gesetzlicher Vertreter notwendig. Deshalb sind all diese Diagnosen nur dann wirklich Betreuungsgründe, wenn sie die Fähigkeit des Betroffenen, freie Entscheidungen zu treffen, erheblich einschränken. „Frei“ sind Entscheidungen, denen vernünftige Erwägungen zugrunde gelegt werden konnten. Das heißt: Juristisch relevant werden die genannten Krankheiten erst, wenn sie die Fähigkeit, Entscheidungen auf vernünftige Erwägungen zu gründen, erheblich einschränken. Das kann auf einer erheblichen Beeinträchtigung der Erkenntnisfähigkeit, der Fähigkeit zur Willensbildung oder zur Willensbetätigung beruhen. Nur wenn eine dieser Fähigkeiten von der Krankheit in erheblichem Maße betroffen ist, ist sie eine „psychische Krankheit“ im Rechtssinne.

  • b) geistige Behinderungen: Hierunter fallen angeborene sowie die während der Geburt oder durch frühkindliche Hirnschädigung erworbene Intelligenzdefekte verschiedener Schweregrade. Auch hier ist nicht der getestete IQ ausschlaggebend, sondern die Frage, ob der Erkenntnis-, Willensbildungs- oder Willensbetätigungsprozess hierdurch erheblich beeinflusst wird.
  • c) seelische Behinderungen: dies sind bleibende psychische Beeinträchtigungen, die als Folge von psychischen Erkrankungen entstanden sind. Auch die geistigen Auswirkungen des Altersabbaus (z.B. Alzheimerkrankheit, Demenz) werden hierzu gerechnet. Darunter fällt auch das als Folge einer langjährigen chronischen Schizophrenie eintretende Defekt- oder Residualsyndrom.
  • d) körperliche Behinderungen können ebenfalls Anlass für die Bestellung eines Betreuers sein; allerdings nur, wenn sie die Fähigkeit zur Besorgung der eigenen Angelegenheiten wenigstens teilweise aufheben oder wesentlich behindern (z.B. bei dauernder Bewegungsunfähigkeit oder Taubblindheit). Als Betreuungsgrund kommen körperliche Behinderungen nur

in Frage, wenn sie die freie Willensbildung beeinträchtigen. Da der eigentliche Willensbildungsprozess durch rein körperliche Behinderungen nicht beeinträchtigt sein kann, ist folglich eine Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit der einzig relevante Ansatz, aber auch nur dann, wenn er entweder die Erkenntnisfähigkeit oder die Fähigkeit zur Willensbetätigung erheblich einschränkt.

Siehe hierfür auch die internationale Klassifikation für Behinderungen (ICF): http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icf/index.htm

Keine Rolle mehr spielen die bis 1992 gültigen, im juristischen, nicht im medizinischen Sinne zu verstehenden Ausdrücke ”Geisteskrankheit” und ”Geistesschwäche”.

Die größte Gruppe der unter Betreuung stehenden Menschen sind alte Menschen, die an der Alzheimerkrankheit erkrankt sind oder deren Gehirnleistung nachgelassen hat (Zerebralsklerose, Korsakow-Syndrom), umgangssprachlich Verkalkung). Daneben benötigen geistig behinderte Menschen auch im Erwachsenenalter einen Betreuer.

Häufig wird bei Vorliegen einer Psychose oder eines Borderline-Syndroms ein Betreuer bestellt. Auch Suchterkrankungen können bei entsprechendem Schweregrad psychische Krankheiten sein; die Sucht muss aber im ursächl. Zusammenhang mit einer Behinderung oder geistigen Erkrankung stehen oder es muss ein auf die Sucht zurückzuführender psychischer Zustand eingetreten sei (BayObLG FamRZ 1994, 1618). Alkoholikern und Drogensüchtigen kann daher kein Betreuer bestellt werden, solange nur eine Suchterkrankung vorliegt (BayObLG FamRZ 2001, 1403; AG Neuruppin FamRZ 2005, 2097).

Nach dem OLG Köln genügt auch der dringende Verdacht auf eine psychische Krankheit nicht (Beschluss des OLG Köln vom 22.06.2005, 16 Wx 70/05). Erforderlich sei vielmehr, dass der Betroffene in der Wahrnehmung seines Selbstbestimmungsrechts erheblich beeinträchtigt und zu eigenverantwortlichen Entscheidungen nicht mehr in der Lage ist (vgl. Beschluss des OLG Köln vom 07.06.2006, 16 Wx 83/04 ).

Ein Betreuer kann bestellt werden, wenn zwar kein akuter Handlungsbedarf besteht, auf Grund einer Psychose aber im Falle eines akuten Schubes sofort gehandelt werden muss (BayObLG, BtPrax 1993, 171). Ein Betreuer kann auch bestellt werden für eine hirntote schwangere Frau, deren Kreislauf und Atmung in einer Klinik künstlich aufrechterhalten werden (AG Hersbruck XVII 1556/92, Beschluss vom 16.10.1992, FamRZ 1992, 1471 = NJW 1992, 3245)

Nach dem Zwischenbericht 2007 des Kölner ISG waren folgende medizinische Diagnosen Grundlagen die Bestellung beruflicher Betreuer im Jahre 2005:

  • 6,9 % Körperliche Behinderung
  • 19,9 % Demenz
  • 16,7 % Sucht
  • 33,4 % sonstige psychische Krankheit
  • 15,9 % geistige Behinderung
  • 19,7 % Mischbild Krankheit und Behinderung

Auswirkungen auf die Erledigung eigener Angelegenheiten

Dies bedeutet, dass eine Behinderung oder Krankheit alleine kein Grund für die Anordnung einer Betreuung ist. Es müssen Angelegenheiten vorhanden sein, die die betroffene Person als Folge der Behinderung oder Krankheit nicht eigenständig besorgen kann.

Vor allem ist bei einer Betreuungsanordnung die konkrete Lebenssituation zu berücksichtigen. Somit kommen nur Angelegenheiten in Betracht, die im Interesse des Betroffenen nach seiner sozialen Stellung und seiner bisherigen Lebensgestaltung erledigt werden müssen. Dies ist nicht rein abstrakt nach den verbliebenen Fähigkeiten des Betreuten zu beurteilen, sondern unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Einzelfalls. D.h.: die lediglich abstrakt vorhandene Unfähigkeit, bestimmte Angelegenheiten zu erledigen, kann niemals Anknüpfungspunkt für eine Betreuung sein (auch Jürgens BtPrax 1992, 49).

Selbst wer sich auf Grund einer paranoiden Schizophrenie für einen bedeutenden Politiker hält, kann durchaus in der Lage sein, seine Angelegenheiten selbst zu besorgen (LG Regensburg FamRZ 1993, 477).

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Dem von Krankheit Betroffenen obliegt es weiter darzulegen, ob und wie die angebliche Krankheit behandelt wird (vgl. BGH, Urteil 25. Oktober 2006 - XII ZR 190/03). Ähnlich wie beim Nachweis von Erwerbsbemühungen eines Arbeitslosen sind hier Nachweise über den Krankheitsverlauf und die Bemühungen zur Gesundung zu fordern. Der Unterhaltsberechtigte hat grundsätzlich alles zu unternehmen, um seine Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Er muss sich deshalb einer medizinischen Behandlung unterziehen, wenn diese zumutbar ist und die sichere Aussicht auf Heilung oder wesentliche Besserung besteht. Unterlässt er eine gebotene und zumutbare Heilbehandlung in unterhaltsbezogener Leichtfertigkeit, so führt er seine Bedürftigkeit mutwillig herbei und kann seinen Unterhaltsanspruch auf Ehegattenunterhalt wegen § -> 1579 Nr.4 BGB verwirken.

(Zitat, Rn 65) "Den Unterhaltsberechtigten trifft die Pflicht, seine Krankheit behandeln zu lassen. Er hat sich Therapien zu unterziehen, wenn die sichere Aussicht auf Heilung oder wesentliche Besserung besteht (Palandt-Brudermüller, Rnr. 6 zu § 1572 BGB u. Rnr. 18 zu § 1579 BGB; Kalthoener/Büttner/Niepmann, Rechtsprechung zur Höhe des Unterhalts, 7. Auflage, Rnr. 425; Wendl-Pauling, § 4, Rnr. 97). Das Unterlassen der gebotenen Heilbehandlung kann § 1579 Nr. 3 BGB verwirklichen (OLG Hamm, 5. FamS., FamRZ 99, 237, 238). (Rn 71) Die Klägerin hat sich zur Überzeugung des Senats unterhaltsbezogen leichtfertig nicht der gebotenen Behandlung unterzogen. (Rn 73) Die Leichtfertigkeit ist unterhaltsbezogen gewesen, weil der Klägerin aufgrund des Unterhaltsprozesses, der den Anlass für die Begutachtung im Jahre 2000 darstellte, klar sein musste, dass ein Zusammenhang zwischen der Behandlung ihrer Erkrankung und dem Unterhaltsanspruch besteht. (Rn 75) Die Inanspruchnahme des Beklagten auf Unterhalt ist auch nach der gem. § 1579 BGB gebotenen Interessenabwägung grob unbillig, soweit sich die Klägerin nach Wiederherstellung ihrer teilweisen Erwerbsfähigkeit selbst hätte versorgen können und müssen."

(Amtlicher Leitsatz) Hat der Antragsteller in Kenntnis seiner Alkoholkrankheit über längere Zeit hinweg eine zumutbare und erfolgversprechende Suchtbehandlung unterlassen, ist ihm unterhaltsrechtlich der Vorwurf einer ebenso unvernünftigen wie leichtfertigen und damit mutwilligen Herbeiführung seiner eigenen Bedürftigkeit zu machen.

AG Brandenburg an der Havel, Beschluss vom 24.03.2016 - 45 F 40/13 (nicht veröffentlicht; intern vorhanden: Az.: 83/15 )
Verwirkung des Unterhalts wegen unterlassener Alkoholtherapie

Anmerkung: Auch diese Entscheidung zeigt, dass unterlassene Heilbehandlung und unterlassene zumutbare Alkoholtherapien nicht nur dazu führen, dass die Alkoholsucht nicht als Erwerbsminderungsgrund anerkannt wird, sondern zur kompletten Verwirkung des -> Ehegattenunterhalts führen kann. Wie das Gericht die -> Verwirkung nach § 1579 BGB begründet, erfahren Sie -> HIER.


Erwiderung auf behauptete Krankheit in der Praxis

In diesem Fall aus der Praxis fordert die Ehefrau und Mutter von vier Kindern (5, 7, 15 und 16 Jahre alt) Ehegattenunterhalt. Die Ehefrau ist lediglich im Rahmen eines Mini-Jobs tätig. Sie behauptet damit ihrer Erwerbsobliegenheit vollständig nachzukommen. Eine Vollzeittätigkeit sei ihr wegen depressiver Episoden, Migräne, Spannungskopfschmerz sowie körperlicher Erschöpfung bei Doppelbelastung (Berufstätigkeit und Familie) nicht zumutbar. Zum Beleg des Krankheitsbildes wurde ein ärztlicher Entlassungsbericht einer Psychosomatischen Klinik in das Verfahren eingeführt. Ein Beweisantrag zur Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachten über das Krankheitsbild wurde nicht gestellt.

Wer im -> Unterhaltsverfahren beweisen will, er sei krank und deshalb nur eingeschränkt erwerbsfähig, kommt mit der Vorlage einfacher Atteste eines Hausarztes nicht weiter; den Anforderungen der -> Darlegungslast für eine erwerbsbeeinträchtigende Krankheit wird man damit nicht gerecht. Ein paar Zeilen umfassendes Attest vermittelt meist den Eindruck einer Gefälligkeit für den Patienten. Ohnehin wird sich ein Allgemeinmediziner kaum ausführlich und so konkret - wie gefordert - zur krankheitsbedingten Erwerbsminderung äußern. Sie werden eine Facharzt konsultieren müssen und gleich zu Beginn fragen müssen, ob er bereit ist, ein ausführliches medizinisches Privatgutachten zu erstellen. Oftmals wird dies eine Frage der Honorierung sein. Folgende medizinische Fragen sind beim Thema krankheitsbedingte Erwerbsminderung relevant:


Wenn Sie auf diese Fragen im Streitfall mit einem privat-medizinischen Gutachten schlüssig und nachvollziehbar darstellen können und für den Bestreitensfall die Einholung eines gerichtlich bestellten medizinischen Gutachters beantragt wird, bestehen gute Chancen mit der Krankheit gegen die Erwerbsobliegenheit zu bestehen. Mehr zum Thema Beweislast & Erwerbsobliegenheit finden Sie HIER.

Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin - Fahrtüchtigkeit und psychische Störungen: (Zitat) "Bei jeder schweren Depression, die z.B. mit depressiv- wahnhaften, depressiv stuporösen Symptomen oder mit akuter Suizidalität einhergeht und in allen manischen Phasen ist die Fähigkeit zur angepassten Teilnahme am Straßenverkehr als aufgehoben anzusehen."

Wenn der Simulant mit der Drohung eines Führerscheinentzugs konfrontiert wird, kann es vorkommen, dass sich ein weiterer Vortrag zur Erwerbsobliegenheit erübrigt. Der Vortrag zur angeblichen Krankheit wird zurückgezogen. Wer will schon leichtfertig seinen Führeschein riskieren, indem der familiengerichtliche Vortrag zum Bumerang bei der Führerscheinstelle wird?!

(Zitat) "Zwar wird die -> Leistungsfähigkeit eines Unterhaltspflichtigen nicht allein durch dessen -> tatsächlich vorhandenes Einkommen bestimmt, sondern auch durch seine Erwerbsfähigkeit und seine Erwerbsmöglichkeiten (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 18. März 2008 - 1 BvR 125/06 -, juris Rn. 14; BGH, Urteil vom 9. Juli 2003 - XII ZR 83/00 -, juris Rn. 22). (. ) In der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist anerkannt, dass die Zurechnung -> fiktiver Einkünfte, welche die Leistungsfähigkeit begründen sollen, zweierlei voraussetzt. Zum einen muss feststehen, dass subjektiv Erwerbsbemühungen des Unterhaltsschuldners fehlen. Zum anderen müssen die zur Erfüllung der Unterhaltspflichten erforderlichen Einkünfte für den Verpflichteten objektiv überhaupt erzielbar sein, was von seinen persönlichen Voraussetzungen wie beispielsweise Alter, beruflicher Qualifikation, Erwerbsbiographie und Gesundheitszustand und dem Vorhandensein entsprechender Arbeitsstellen abhängt (vgl. BVerfGK 7, 135; 9, 437; BGH, Urteil vom 15. November 1995 - XII ZR 231/94 -, juris Rn. 18; BGH, Urteil vom 30. Juli 2008 - XII ZR 126/06 -, juris Rn. 22). (. ) Der Beschwerdeführer hat im Ausgangsverfahren vorgetragen, infolge des Arbeitsunfalls über das ausgeübte Maß hinaus nicht erwerbsfähig zu sein. Er hat den Unfall und dessen Folgen konkret dargestellt, insbesondere auf medizinisch erwiesene irreparable Verbrennungen dritten Grades an 45 % seines Körpers, nämlich an Hals, Rumpf und Beinen, verwiesen und zu deren Nachweis Sachverständigengutachten aus den Jahren 1986 und 1987 vorgelegt, die seine Verletzungen bestätigen. Er hat die Folgeschäden konkret beschrieben und dauerhafte Beeinträchtigungen seiner Gesundheit infolge der Verbrennung, der Vernarbung, der Hauttransplantationen sowie der Schmerzen, insbesondere bei Temperaturänderungen, dargestellt. Zum Nachweis hat er sich nicht nur auf die im Ausgangsverfahren vorgelegten Sachverständigengutachten und auf das Zeugnis der ihn behandelnden Ärzte bezogen, sondern zum Beweis der zeitlebens bestehen bleibenden Beeinträchtigungen die Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens beantragt. Dieses Vorbringen war entgegen der Annahme des Oberlandesgerichts ausreichend substantiiert.

(Zitat) "Die Beklagte ist weder aufgrund ihres Alters noch ihrer gesundheitlichen Disposition an einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit gehindert, so daß Unterhaltsansprüche wegen Alters gemäß § 1571 BGB oder Krankheit gemäß § 1572 BGB nicht vorrangig sind (§ 1573 Abs. 1 BGB). Das Alter von zur Zeit 53 Jahren und der Gesundheitszustand der Beklagten stehen einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nicht entgegen. Soweit die Beklagte - belegt durch ein ärztliches Attest vom 23. November 2009 - über psychovegetative Erschöpfungszustände klagt, deretwegen sie sich seit 2005 in ärztlicher Behandlung befindet, mag dies Auswirkungen auf die gesundheitliche Belastbarkeit haben. Hiervon ist aber die Fähigkeit zu unterscheiden, gleichwohl eine Erwerbstätigkeit vollschichtig auszuüben (vgl. BGH FamRZ 1987, 912 = BGHF 5, 968). Für eine Einschränkung der Erwerbsfähigkeit hat die Beklagte keine ausreichenden Anhaltspunkte vorgetragen. Dem steht nach den Angaben der Beklagten im Senatstermin auch entgegen, daß zwei beantragte Kuren im Jahre 2007 und im Jahre 2009 abgelehnt wurden. Ansonsten erfolgt eine medikamentöse Behandlung.

b) Der Beklagten obliegt es im Rahmen des § 1573 Abs. 1 BGB nach dem Grundsatz der Eigenverantwortung (§ 1569 BGB) und gemäß § 1574 Abs. 1 BGB, zunächst alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, eine angemessene Erwerbstätigkeit zu finden.

(1) Angemessen ist eine Erwerbstätigkeit gemäß § 1574 Abs. 2 S. 1 BGB, die der Ausbildung, den Fähigkeiten einer früheren Erwerbstätigkeit, dem Lebensalter und dem Gesundheitszustand des geschiedenen Ehegatten entspricht, soweit eine solche Tätigkeit nicht nach den ehelichen Lebensverhältnissen unbillig wäre. Die Beklagte hat den Volksschulabschluß erworben und in der Zeit von 08/1971 bis 07/1973 den Beruf einer Gardinenfachverkäuferin erlernt. Im Anschluß hat sie in diesem Beruf bis 08/1990 rund 17 Jahre vollschichtig und sodann bis zur Geburt des zweiten Sohnes (02/1993) etwa 2½ Jahre halbschichtig gearbeitet. Danach ist sie bis zur Scheidung (08/1997) keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen, sondern hat sich der Haushaltsführung und Kindererziehung gewidmet. Aufgrund dieser Ausbildungs- und Erwerbsbiografie, ist eine vollschichtige Erwerbstätigkeit in dem von der Beklagten erlernten Beruf der Gardinenfachverkäuferin oder einer vergleichbaren Verkäufertätigkeit (Textil und Bekleidung) als angemessen anzusehen, zumal die Beklagte ausweislich des Nachtrags vom 1. September 1990 zu ihrem Arbeitsvertrag bei der Fa. X. auch in der Bettwarenabteilung und im Bereich der Möbelstoffe- und Zubehörabteilung eingesetzt war. Das Alter und der Gesundheitszustand der Beklagten stehen einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit als Verkäuferin im Textil- und Bekleidungsbereich nicht entgegen (s. oben).

(2) Aus einer solchen (angemessenen) Tätigkeit könnte die Beklagte monatlich rund 1.060 € netto verdienen. Ausweislich des Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung werden im Einzelhandel NRW bei Abschluß einer 2-jährigen kaufmännischen Berufsausbildung für einfache kaufmännische Tätigkeiten tarifliche Grundvergütungen (mittlere Gruppe) zwischen 1.453 € und 2.066 € ab 05/2008 bzw. zwischen 1.483 € und 2.108 € ab 09/2009 gezahlt. Ausgehend davon, daß die Beklagte aufgrund ihrer langen beruflichen Pause einen Wiedereinstieg nur mit einer Vergütung nach den unteren Eckwerten erlangen könnte, errechnet sich für das Jahr 2009 unter Berücksichtigung der gesetzlichen Abzüge (Lohnsteuer I/0,5, Kirchensteuer, Krankenversicherung 14,9%, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung) ein monatliches Nettoentgelt in Höhe von rund 1.060 €.

c) Es kann nicht festgestellt werden, daß die Beklagte trotz zumutbarer und ausreichender Erwerbsbemühungen keine angemessene Erwerbstätigkeit hat finden können. Diesen anspruchsbegründenden Umstand muß die Beklagte darlegen und beweisen (vgl. BGH FamRZ 2008, 2104 = FuR 2008, 597 = EzFamR BGB § 1578 Nr. 68 Tz. 18). Den Anforderungen an ausreichende, aber erfolglos gebliebene Erwerbsbemühungen um eine vollschichtige Erwerbstätigkeit genügen die schriftsätzlich vorgetragenen und im Senatstermin mündlich ergänzten Bewerbungen auf Zeitungsanzeigen über Tätigkeiten im Geringverdienerbereich nicht.

d) Die unzureichenden Erwerbsbemühungen führen jedoch nicht zur Versagung des Anspruchs aus § 1573 Abs. 1 BGB, wenn sie für die bestehende Erwerbslosigkeit nicht ursächlich sind. Dies ist vorliegend der Fall, weil für die Beklagte auch bei ausreichenden Erwerbsbemühungen bisher keine reale Beschäftigungschance auf eine vollschichtige Erwerbstätigkeit in ihrem erlernten oder einem ähnlichen Beruf bestanden hat.

(1) Eine Ursächlichkeit besteht nicht, wenn nach den tatsächlichen Gegebenheiten des Arbeitsmarkts sowie den persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten des Unterhalt begehrenden Ehegatten für ihn keine reale Beschäftigungschance bestanden hat (vgl. BGH FamRZ 1987, 912 = BGHF 5, 968; 2008, 2104 = FuR 2008, 597 Tz. 22). Wegen unzureichender Erwerbsbemühungen kann der Beklagten nur dann ein fiktives Einkommen aus einer angemessenen vollschichtigen Erwerbstätigkeit zugerechnet werden, wenn neben den fehlenden subjektiven Erwerbsbemühungen auch objektiv die Voraussetzungen vorliegen, daß die Beklagte bei ausreichenden Erwerbsbemühungen eine entsprechende Erwerbstätigkeit gefunden hätte, was von den persönlichen Voraussetzungen der Beklagten wie Alter, Ausbildung, Berufserfahrung und Gesundheitszustand pp. sowie den Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt abhängig ist (vgl. BVerfG FamRZ 2008, 1145; 2010, 183; BGH FamRZ 1987, 912 = BGHF 5, 968; 1994, 372; = EzFamR BGB § 1603 Nr. 21 = BGHF 8, 1423; 1996, 345 = EzFamR BGB § 1581 Nr. 3 = BGHF 9, 1386). Für das Bestehen einer realen Beschäftigungschance ist nicht erst auf den Beginn des streitbefangenen Zeitraums ab Januar 2009 abzustellen; Ausgangspunkt muß vielmehr schon die im Zuge der Kindesbetreuung einsetzende Erwerbsobliegenheit und die Chance einer darauf aufbauenden sukzessiven Aufstockung zu einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit sein (vgl. BGH FamRZ 2008, 2104 = FuR 2008, 597 = EzFamR BGB § 1578 Nr. 68 Tz. 23)."

(Zitat) "Zu Recht hat das Berufungsgericht allerdings angenommen, dass die Klägerin die Voraussetzungen eines Unterhaltsanspruchs nach § 1572 BGB nicht dargetan hat. Die Revision beanstandet dies mit der Begründung, die Klägerin habe im Verlauf des Rechtsstreits mehrfach vorgetragen, wegen Rückenbeschwerden und Bluthochdrucks zu einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nie in der Lage gewesen zu sein; diese Beschwerden hätten bereits während der Ehe - und auch im Zeitpunkt der Scheidung - bestanden. Zum Beweis habe sie die Einholung eines medizinischen Sachverständigengutachtens beantragt und sich auf das Zeugnis der sie behandelnden Ärzte bezogen. Den Beweisangeboten sei das Berufungsgericht verfahrensfehlerhaft nicht nachgegangen.

Diese Rüge bleibt ohne Erfolg. Das Berufungsgericht brauchte dem Beweisantrag nicht zu entsprechen, da das Vorbringen der Klägerin schon nicht hinreichend substantiiert ist.

(. ) Ein geschiedener Ehegatte kann nach § 1572 BGB Unterhalt verlangen, solange und soweit von ihm von dem jeweiligen Einsatzzeitpunkt an wegen Krankheit oder anderer Gebrechen oder Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte eine Erwerbstätigkeit nicht erwartet werden kann. Der Unterhalt begehrende Ehegatte muss, um die Voraussetzungen der genannten Vorschrift darzutun, im Einzelnen die Krankheiten, an denen er leidet, angeben und vortragen, inwiefern sich diese auf seine Erwerbsfähigkeit auswirken. Er darf sich nicht generell auf eine Erwerbsunfähigkeit im Sinne des § 1572 BGB berufen, sondern von ihm ist, insbesondere im Hinblick darauf, dass - wie auch hier geltend gemacht - nur eine teilweise Erwerbsunfähigkeit vorliegen kann, zu verlangen, dass er Art und Umfang der gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Leiden darlegt (Senatsurteil vom 27. Juni 2001 - XII ZR 135/99 - FamRZ 2001, 1291, 1292). Den vorgenannten Anforderungen genügt das Vorbringen der Klägerin nicht. (. ) In den weiteren Attesten wird nicht aufgezeigt, dass die vorgenannten Befunde die vollschichtige Erwerbsfähigkeit der Klägerin beeinträchtigen.


V. Nachehelicher Unterhalt wegen Krankheit (§ 1572 BGB)

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Prof. Dieter Sturma, Philosoph Uni Bonn:

"Dass sie jetzt über den Flur läuft und hinter einem steht oder jedes Mal im falschen Zimmer ist, das ist aus ihrer Situation sicher rekonstruierbar, bloß wir haben keinen Zugang mehr."

Erst sind es nur wenige Nervenzellen, die absterben, dann immer mehr. Der Prozess des Vergessens vollzieht sich langsam, aber unaufhaltsam. Bis zum Jahr 2050, so Schätzungen, sollen in Deutschland bis zu drei Millionen Menschen an Demenz erkrankt sein. Eine große medizinische und pflegerische, aber vor allem auch eine ethische Herausforderung. Denn - was ist ein Mensch ohne Gedächtnis? Der zunehmend "von seinem Geist" verlassen wird - denn nichts anderes bedeutet ja "De-mens"? Ist er ein "auseinanderfallendes Selbst", wie Gedächtnisforscher Hans Markowitsch es nennt? Eine sich auflösende Persönlichkeit? Ist jemand, der am Ende niemanden mehr erkennt, wie es der später selbst an Demenz erkrankte Walter Jens in gesunden Jahren formulierte, "im Sinne des Humanen" kein Mensch mehr?

"Das Wort Person bezeichnet "ein denkendes verständiges Wesen, das Vernunft und Überlegungen besitzt und sich selbst betrachten kann."

So definierte es der englische Philosoph John Locke im 17. Jahrhundert. Vernunft und die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln sind in der Tradition der Aufklärung zentrale Kennzeichen des Menschen. Für Immanuel Kant zum Beispiel dürfen nur vernünftige Wesen Personen genannt werden. Und sind sie vernünftig, dann sind sie zugleich in der Lage, selbstbestimmt moralisch zu handeln. Diese Fähigkeit zu Vernunft und Moral begründet für Kant die Würde des Menschen.

"Also Autonomie und vernünftiges Handeln, das sind Konzepte, die sich aus dem Leben ohne Demenz, aus dem Leben in Gründen, wie das Philosophen sagen, herleiten."

Wolfgang Maier ist der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Bonn:

"In der Demenz ist es ab einem gewissen Grad immer schwerer möglich, zum Beispiel bei einer Entscheidung die Konsequenzen zu betrachten, also zu betrachten, wie verhält sich das zu meinen früheren Handlungen, also die Beziehungssetzung, das Zurückdenken und das Vorausdenken."

Sind Demente also am Ende keine Personen mehr, weil sie nicht mehr vernünftig und autonom handeln können? Der US-Philosoph Jeff McMahan bezeichnet schwer Demenzkranke als "Post-Personen". Ähnlich der australische Philosoph Peter Singer. Er spricht von "ehemaligen Personen". Und Menschen, die viel Wert darauf legen, ihr Leben frei und selbstbestimmt zu gestalten, werden den Zustand der Demenz möglicherweise als unakzeptabel, ja als würdelos empfinden. Prof. Dieter Sturma, Philosoph an der Universität Bonn und Direktor mehrerer Ethik-Institute:

"Wer jetzt natürlich sagt, für mich ist ganz entscheidend vor allem aus der Perspektive eines autonomen Lebens, der wird den Zustand in einer Demenz als nicht akzeptabel auffassen und wird entsprechend auch Vorkehrungen treffen wollen, dass er den Zuständen nicht zu lange ausgesetzt ist."

Die Auseinandersetzung mit der Demenz wirft die Frage nach unserem Menschenbild auf. Wird der Mensch mit seiner geistigen Leistung gleichgesetzt, erscheint Demenz als Zerstörung dieses Menschen. Wird er auch als empfindendes, soziales, emotionales Wesen verstanden, kann sich der Blick leichter auf dessen noch vorhandene Fähigkeiten richten.

"Wenn jemand sagt, personales Leben ist nicht durchgängig an kognitive Fähigkeiten gebunden, der kriegt einen viel umfassenderen Blick darauf und wird sagen, ich kann mit dem Zustand, nicht mehr autonom zu sein am Ende meines Lebens, anders umgehen. Der sagt, ich akzeptiere das als eine Form des Lebens oder der Existenz."

Dieter Sturma war Leiter des Forschungsverbunds "Person und Demenz" am Institut für Neurowissenschaften und Medizin in Jülich. Er hält einen Begriff von Person, der vor allem, an deren kognitive Kompetenzen gebunden ist, für verkürzt:

"Wir haben im Rahmen unseres Forschungsprojekts 'Person und Demenz' mal ein großes umfassendes Bild gezeichnet von Eigenschaften der humanen Lebensform, wie wir das genannt haben. Und da stand nicht mehr nur Autonomie oder personale Identität, sondern noch 60 andere Begriffe drauf, wie Kontemplation, wie Ausdruck, wie ästhetische Komponenten und moralische Komponenten, die noch lange intakt bleiben.. Übrigens auch emotionale Nähe."

Es gelte also, den Personenbegriff der Aufklärung zu erweitern, meint Dieter Sturma. Und damit, so Dr. Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates, müsse man auch die zentralen Attribute dieses Personenbegriffs neu denken:

"Erstens stellt sich die Frage, was wir unter Vernunft eigentlich verstehen? Verstehen wir eine objektiv messbare Handlung, einen Outcome einer Handlung oder würden wir es eher in das Handeln hinein verlegen, was er für vernünftig und damit für sich für erklärbar hält, für plausibel machbar. Und ich neige dem Zweiten zu."

Dann, so Michael Wunder, könnte man vielleicht auch Handlungsweisen verstehen, die auf den ersten Blick unvernünftig erscheinen.

"Zum Beispiel wenig bekleidet in der kalten Jahreszeit rauszugehen, ist unvernünftig. Es kann aber vernünftig sein, weil dicke Sachen drum herum unangenehm empfunden werden, dann ist es auf eine andere Art und Weise vernünftig, nämlich erklärlich für den Betroffenen. Also die genaue Beobachtung von Dementen und Mitgehen mit ihren Empfindungen lehrt uns, bescheiden zu sein mit den großen Überzeugungen, das ist Vernunft, das ist Selbstbestimmung."

Und auch wenn Selbstbestimmung und Demenz wie zwei weit auseinanderliegende Pole des menschlichen Daseins erscheinen, gelte es, den dementiell Erkrankten in die Gestaltung seines Lebens mit einzubeziehen.

"Natürlich ist es so, dass wir nicht sagen, es ist die volle Selbstbestimmung, sondern es ist eine Teilselbstbestimmung und die gilt es ernst zu nehmen. Und natürlich ändert sich der Rahmen, in dem die Selbstbestimmung möglich ist."

Es sei geradezu eine ethische Herausforderung, formulierte der Ethikrat in seiner Stellungnahme "Demenz und Selbstbestimmung", die Autonomie des Erkrankten weitgehend zu erhalten.

"Jemand, der in der zweiten Phase der Demenz ist, kann nicht mehr über seine Eigentum und sein Testament entscheiden, das ist auch klar. Aber er kann darüber entscheiden, wie sein Tag abläuft. Und wenn Sie einzelne Fälle angucken, dann sehen Sie eine Fülle von nicht nötigen Fremdentscheidungen in diesen Tagesabläufen: Was gibt es zu essen, wie werden Feste verbracht? Dass jemand, der sehr auf die eigene Räumlichkeit angewiesen ist, selbstverständlich über die Bedingungen in dieser Räumlichkeit auch selbst bestimmen kann, selbst wenn es nur hell - dunkel, warm - kalt oder lautere oder leisere Musik ist."

Allerdings wird bei fortschreitender Krankheit zunehmend schwieriger, die Willensäußerungen eines dementiell Erkrankten zu deuten. Möglicherweise ist es nur noch das, was juristisch als "natürlicher Wille" bezeichnet wird, anhand dessen die Wünsche des Kranken dechiffriert werden können. Wenn jemand zum Beispiel beim Füttern den Kopf abwendet, lässt sich das als Ausdruck verstehen, dass er keine Nahrung zu sich nehmen will. Wobei dann dennoch unklar ist, aus welchen Gründen das geschieht. Aus Appetitlosigkeit, einer Abneigung gegenüber der dargereichten Speise, aus einer depressiven Stimmung, gar einem Todeswunsch heraus?

"Entscheidungen werden häufig aus dem Moment heraus getroffen, das nennt man dann den natürlichen Willen, der sich da äußert. Und häufig widerspricht er Äußerungen früheren Verlautbarung im Zustand der völligen Autonomie, als man noch gut überlegen konnte, Werte entwickeln konnte."

Wolfgang Maier beschäftigte sich im Rahmen des Verbundprojekts "Person und Demenz" mit dem Thema "Patient und Autonomie".

"Also das Beispiel ist etwa die Konstellation Walter Jens. Jens hatte ja früher mit Küng zusammen über die Patientenautonomie geschrieben, praktisch schon, bevor es eine Patientenverfügung gab. Er hat schriftlich festgelegt, wenn er im Zustand etwa einer Demenz in einen lebensbedrohlichen Zustand gerät, dass dann eine medizinische Hilfe nicht um jeden Preis gegeben werden soll."

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Ein weit verbreiteter Irrglauben ist, dass Skoliose durch schlechte Haltung oder schwere und einseitig getragene Schultaschen entsteht. Doch diese Annahme ist falsch. Ferner lässt sich die Krankheit auch durch aktives Aufrichten ändern. Prinzipiell sind alle Menschen ein wenig schief, was an der Natur der Anatomie des Menschen liegt, welcher nie vollständig symmetrisch ist. Aber ab einem Krümmungswinkel von zehn Grad liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Skoliose vor. Bei wem eine leichte Skoliose vorliegt, der kann mit Hilfe einer speziellen Physiotherapie dagegen vorgehen.

Sollte die Verkrümmung allerdings größer als 25 Grad sein, muss ein Korsett getragen und Physiotherapie gemacht werden. Ab einer Verkrümmung von 45 bis 50 Grad kann nur noch eine Operation helfen. Für viele Betroffene ist das Tragen eines Korsetts keine angenehme Angelegenheit. Sie fühlen sich eingeengt, das Korsett verursacht Druckstellen und im Sommer kommt man ganz schön ins Schwitzen. Dennoch sollen Kinder und Jugendliche, bei denen Skoliose festgestellt wird, das Korsett tragen bis sie ausgewachsen sind. Trotzdem kann es danach passieren, wenn das Korsett nicht mehr getragen wird, dass sich die Skoliose verschlimmert und nur noch eine Operation helfen kann.

Sollte Skoliose in einem fortgeschrittenen Stadium nicht operiert werden, ist ein Leben ohne Beschwerden undenkbar. Die Folgen von Skoliose sind beispielsweise die schmerzhafte Abnutzung der Wirbel und der Bandscheiben.Ferner ist das Risiko groß, dass der Brustkorb bei fortschreitender Skoliose die Lunge einquetscht, wodurch Atemnot auftreten kann. Darüber hinaus ist es auch möglich, dass es zu einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems kommt. Mädchen sind viel häufiger als Jungen von Skoliose betroffen.

Nachdem diese Einleitung Skoliose einen kurzen Überblick über diese Krankheit liefern konnte erfahren Sie im Folgenden noch viel mehr.Diese Website liefert Ihnen alle wichtigen Informationen rund um Skoliose, wie beispielsweise Skoliose diagnostiziert wird, welche Ursachen für diese Krankheit verantwortlich sind, wie die Krankheit verläuft und wie die Therapie aussieht.

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Fast jeder Fünfte erkrankt mindestens einmal im Leben an einer Depression. (18 Prozent der Bevölkerung). Innerhalb eines Jahres erkrankt mehr als jeder Zehnte depressiv (11 Prozent der Bevölkerung), dabei erkranken Frauen in etwa doppelt so häufig wie Männer. Eine Depression tritt oft zum ersten Mal im Alter von 25 bis 35 Jahren auf.

Eine Depression ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, an weiteren psychischen Störungen zu erkranken. Drei von vier Menschen, die depressiv erkrankten, leiden im Laufe ihres Lebens auch noch an einer anderen psychischen Störung, am häufigsten an einer Angststörung.

Pro Jahr versterben ca. 10.000 Menschen in Deutschland durch Suizid, in vielen Fällen vor dem Hintergrund einer depressiven Erkrankung. Insgesamt betrugen die Kosten für Depressionen im Jahr 2008 über 5,2 Milliarden Euro.

Depressive Erkrankungen haben mehrere Ursachen. Fast immer wirken mehrere Faktoren zusammen, die das Risiko für diese seelische Erkrankung erhöhen:

  • Familiäre Faktoren: Aus Studien ist gut belegt, dass Kinder depressiver Eltern ein erhöhtes Risiko für Depressionen aufweisen. Studien mit Zwillingen weisen außerdem darauf hin, dass es genetische Faktoren gibt, die eine Depression wahrscheinlicher machen. Der genetische Einfluss ist jedoch nur bei selteneren bipolaren affektiven Störungen (auch als manisch-depressiv bezeichnet) besonders ausgeprägt.
  • Aktuelle psychische Belastungen: Viele depressiv kranke Menschen hatten, kurz bevor die Störung erstmals auftrat, schwere Belastungen zu ertragen. Sie haben z. B. eine vertraute Person oder den Arbeitsplatz verloren. Auch anhaltende Belastungen am Arbeitsplatz, finanzielle Nöte oder Isolation steigern das Risiko für eine Depression.
  • Trennungen und Verluste in der Kindheit: Depressive Patienten haben in ihrer Kindheit zwei bis dreimal so häufig wichtige Personen verloren, z. B. weil sich die Eltern trennten. Auch vernachlässigte Kinder sind später anfälliger für eine depressive Erkrankung.
  • Auch andere körperliche Erkrankungen können das Risiko einer Depression erhöhen, z. B. Diabetes.

Hauptsymptome einer depressiven Störung („Major Depression“) sind eine gedrückte, niedergeschlagene Gefühlslage, ein Verlust von Interessen und der Fähigkeit, sich zu freuen. Der Patient ist ohne Antrieb, muss sich überwinden, die Dinge des täglichen Lebens zu erledigen, ermüdet schnell und ist nur noch eingeschränkt aktiv. Für eine Diagnosestellung müssen diese Hauptsymptome und weitere depressive Symptome mindestens zwei Wochen lang fortwährend vorhanden sein.

Patienten beschreiben ihre depressive Gefühlslage unterschiedlich: Manche berichten von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, Andere schildern mehr eine Gefühllosigkeit, bei der sie weder Freude noch Trauer empfinden. Viele depressive Patienten beschreiben auch Ängste; sie fühlen sich sehr unsicher und machen sich große Zukunftssorgen.

Die Hauptsymptome einer depressiven Störung treten zusammen mit einer Vielzahl weiterer Symptome auf, die jedoch nicht immer vorhanden sind. Zu den weiteren emotionalen Symptomen zählen Schuldgefühle, Gefühle der Wertlosigkeit, Schwermut, aber auch Reizbarkeit oder Leere. An kognitiven Symptomen treten häufig verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, Unentschlossenheit (teilweise auch bei einfachen Entscheidungen), negative Zukunftsgedanken, Grübeln, Selbstzweifel und Suizidgedanken auf. Darüber hinaus berichten depressiv kranke Menschen von körperlich-vegetativen Beschwerden, z. B. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, innere Unruhe, Verlust des sexuellen Interesses, sowie von körperlichen Symptomen, wie Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, für die keine körperlichen Ursachen gefunden werden können. Schließlich sprechen und bewegen sich depressive Patienten manchmal langsamer als normal. Bei schweren depressiven Störungen können auch psychotische Symptome, wie Wahnideen, Halluzinationen oder körperliche Starrheit (Stupor), auftreten.

Depressionen treten in der Regel in Phasen auf, d. h., sie sind zeitlich begrenzt und klingen häufig auch ohne eine Behandlung ab. Eine depressive Phase („Episode“) dauert durchschnittlich sechs bis acht Monate, wenn sie nicht behandelt wird.

Der Verlauf einer depressiven Störung unterscheidet sich von Patient zu Patient erheblich. Eine depressive Erkrankung kann bei den meisten Menschen vollständig geheilt werden. Bei manchen Patienten bleiben jedoch Reste der depressiven Symptome bestehen. Manche depressive Erkrankungen entwickeln sich auch chronisch, d. h., die depressiven Phasen wiederholen sich regelmäßig oder es entsteht eine Dysthymie, bei der die Symptome nicht so ausgeprägt sind wie bei einer klassischen Depression, aber ständig (mehr als zwei Jahre) bestehen bleiben.

Bei depressiven Störungen besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es nicht bei einer Krankheitsepisode bleibt. Bei über der Hälfte der Patienten kommt es nach einer ersten Erkrankung zu einer weiteren depressiven Episode. Die Wahrscheinlichkeit, erneut zu erkranken, erhöht sich nach zweimaliger Erkrankung auf 70 Prozent und nach der dritten Episode sogar auf 90 Prozent.

Ein ausführliches („differenzialdiagnostisches“) Gespräch ist unerlässlich: Neben der Beurteilung der aktuellen Beschwerden ist immer auch eine Erfassung aller psychischen Beschwerden des Patienten über seine gesamte Lebenszeit erforderlich. Ferner lässt sich der Therapeut die Lebens- und Familiengeschichte sowie aktuelle Belastungen und Probleme schildern.

Der Schweregrad einer Depression bemisst sich an der Zahl, Intensität und Qualität der depressiven Symptome. Klinisch-diagnostische Interviews, z. B. CIDI (Composite International Diagnostic Interview) oder DIPS (Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen), fragen die diagnostischen Kriterien nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ab (ICD-10). Standardisierte Fragebögen und Fremdeinschätzungsskalen helfen dabei, die Schwere der Erkrankung abzuschätzen. Hierbei eigenen sich u. a. PHQ-D (Patient-Health Questionnaire-Depression), BDI (Beck-Depressions-Inventar) oder HDRS (Hamilton Depression Rating Scale). Vor Beginn einer Therapie ist eine sorgfältige internistische und neurologische Untersuchung zum Ausschluss körperlicher Ursachen sinnvoll, da z. B. Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes) oder bestimmte Arzneimittel (Blutdrucksenker, Steroidhormone) körperliche Ursachen einer depressiven Symptomatik sein können.

Die Empfehlungen für die Behandlung richten sich danach, ob eine Depression erstmals oder wiederholt auftritt und wie schwer der Patient erkrankt ist. Die Behandlung sollte sich an den Empfehlungen orientieren, die in der Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ stehen.

Nicht jede Depression muss sofort psychotherapeutisch oder mit Medikamenten behandelt werden:

  • Bei leichten depressiven Störungen kann sich der Patient zunächst beraten und anleiten lassen, wie er selbst besser mit gedrückten Gefühlslagen umgehen kann. Voraussetzung dafür ist jedoch eine differenzialdiagnostische Untersuchung, die einen schweren Verlauf der Krankheit ausschließt. Kommt es innerhalb von zwei Wochen zu keiner Besserung, sollte mit dem Patienten eine spezifische Behandlung verabredet werden. Hierbei ist Psychotherapie einer Pharmakobehandlung vorzuziehen.
  • Bei mittelschweren depressiven Störungen sollte dem Patienten eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten als gleichwertige Behandlungsalternativen angeboten werden.
  • Bei schweren und chronisch-depressiven Störungen ist eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten notwendig.

Bei Depression sind folgende Psychotherapieverfahren hinsichtlich ihrer Wirksamkeit belegt: Verhaltenstherapie, psychodynamische Psychotherapie, Interpersonelle Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie und Systemische Therapie. Zur medikamentösen Therapie depressiver Störungen sind insbesondere verschiedene Klassen von Antidepressiva zugelassen.

Die Dauer einer depressiven Erkrankung kann durch eine Behandlung deutlich verkürzt werden – auf durchschnittlich 16 Wochen. Effektive Behandlungen senken die Rückfallrate erheblich. Eine besondere Stärke der Psychotherapie ist, dass sie anhaltend und längerfristig wirkt, insbesondere wenn sie auch nach dem Abklingen der akuten Symptome als Erhaltungstherapie fortgesetzt wird. Die Wiedererkrankungsrate kann durch eine psychotherapeutische Behandlung wesentlich gesenkt werden. Patienten mit einem erhöhten Rückfallrisiko, z. B. wenn die Depression nicht vollständig abklingt, wird eine längerfristige stabilisierende Psychotherapie empfohlen. Auch Antidepressiva vermindern das Rückfallrisiko. Sie sollten auch nach vollständigem Verschwinden der depressiven Symptome weiter eingenommen werden. Die Dauer der Einnahme richtet sich dabei insbesondere nach dem spezifischen Rückfallrisiko des Patienten.

  • DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, 1. Auflage 2009. DGPPN, ÄZQ, AWMF – Berlin, Düsseldorf 2009. Hautzinger, M. (2010). Akute Depression. Fortschritte der Psychotherapie, Band 40. Göttingen: Hogrefe.
  • Schauenburg, H.; Hofmann, B. (2007). Psychotherapie der Depression. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.
  • Wittchen, H.-U. & Hoyer, J. (2006, Hrsg.). Klinische Psychologie und Psychotherapie. Berlin: Springer.

  • Hautzinger, M. (2006). Ratgeber Depression: Informationen für Betroffene und Angehörige. Göttingen: Hogrefe.
  • Rieke-Niklewski, R. & Niklewski, G. (2010). Depressionen überwinden: Niemals aufgeben! Berlin: Stiftung Warentest.

Stimmungsschwankungen sind Gemütszustände oder Verstimmungszustände und können viele Gründe haben. Stimmungsschwankungen sollten nicht mit einer Depression verwechselt werden. Einfache Stimmungsschwankungen kommen jeden Tag vor und sind normale Anzeichen für unsere Hoch- und Tiefgefühle im Alltag.

Stimmungsschwankungen sind vor allem ein psychisches Symptom. Sie können entweder als alleinige Erkrankung oder als begleitendes Symptom auftreten, das auf eine weitere zugrundeliegende Erkrankung hindeuten kann. Unter Stimmungsschwankungen versteht man einen Zustand, der eine Person zuerst extrem glücklich und wenig später extrem niedergeschlagen oder sogar aggressiv machen kann. Die Stimmung des Patienten verändert sich binnen weniger Sekunden oder Minuten von einem Extrem zum anderen. Das schadet nicht nur seiner eigenen Leistungsfähigkeit, sondern sorgt auch dafür, dass er sich bei Mitmenschen in ungünstige Situationen bringt.

Bei Stress und Überforderung treten besonders häufig Stimmungsschwankungen auf. Zumeist machen sie sich durch weitere Begleitsymptome sowohl körperlich als auch psychisch bemerkbar. Dazu gehören Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Gewichtsschwankungen und Potenzprobleme. Ebenso können Antriebslosigkeit, Konzentrationsmangel und Traurigkeit typische Anzeichen bei Stimmungsschwankungen sein.

In der Regel sind die alltäglichen Stimmungsschwankungen ungefährlich und werden von fast allen Menschen irgendwann einmal erlebt. Wie sie gekommen sind so gehen sie auch wieder und meist erinnert man sich ein paar Tage später gar nicht mehr an sie.

Die Ursachen von Stimmungsschwankungen sind jedoch zumeist auf der psychischen Seite zu suchen. Sie können gemeinsam mit anderen begleitenden Symptomen auf diverse psychische Erkrankungen hindeuten. Stimmungsschwankungen treten beispielsweise unter depressiven Persönlichkeiten häufig auf. Erkennbar sind sie vor allem durch den plötzlichen Wechsel von Freude zu tiefer Trauer.

Sie können allerdings auch auf psychische Defizite hindeuten. Ein Patient, der beispielsweise nicht alle Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide erfüllt sieht, leidet unter anderem auch unter Stimmungsschwankungen - zu analysieren wären in diesem Fall die Lebenssituation und die zwischenmenschlichen Beziehungen, da hier die Defizite liegen müssen.

Stimmungsschwankungen können aber auch auf eine körperliche Ursache hindeuten. Meist handelt es sich dabei um eine Erkrankung, die das Gehirn oder die Hypophyse beeinflusst, die dort sitzt und durch Erkrankungen die Stimmung des Patienten beeinflussen kann. Tumore können den Druck im Schädelinneren erhöhen und dafür sorgen, dass es dadurch zu starken Stimmungsschwankungen kommt. Auch hormonelle Behandlungen wie die Einnahme der Pille können dazu führen, dass die Patienten Stimmungsschwankungen entwickeln - bei Frauen reichen auch Regelblutungen für kurzfristige Veränderungen aus.

Kommen Stimmungsschwankungen jedoch häufiger und in rythmischen Abständen vor so können psychische bzw. seelische Ursachen (z.B. Stress, zwischenmenschliche Probleme, Jahreszeiten) darin liegen. Auch diverse hormonelle Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion können eine Ursache sein.

Oft sind auch der übermäßige Konsum von Genussmitteln, wie Alkohol und Zigaretten mögliche Verursacher von starken Stimmungschwankungen.

Stimmungsschwankungen entstehen meistens im Rahmen einer psychischen Erkrankung, aber auch organische Erkrankungen können auch die Ursache sein. Diese haben dementsprechende Komplikationen. Eine Borderline-Störung geht meistens mit weiteren Erkrankungen einher. Dies können vor allem Depressionen sein. Eine Depression kann mit einem Missbrauch von Alkohol und Drogen zusammenhängen.

Ein häufiger Alkoholkonsum kann beim Betroffene zu einer Fettleber führen, die anschließend in eine Leberzirrhose enden kann. Drogen können zu Psychosen und Angststörungen führen. Ein damit verbundener sozialer Rückzug verstärkt die Symptomatik nur. Häufiger Nikotingebrauch verstärkt die Wahrscheinlichkeit an einer Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu erkranken und auch das Risiko eines Lungenkrebses wird erhöht.

Zudem leiden Depressive meist unter Schlaf- und Essstörungen. Ein Schlafmangel oder Adipositas verstärken das Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen zu erleiden. Häufig wird auch die Persönlichkeit bei Betroffenen verändert. Im schlimmsten Falle kommt es zu Gedanken an Suizid. Daneben kommt es auch meist zu sozialen Problemen vor allem in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz.

Eine Demenz, die auch zu Stimmungsschwankungen führt, kann ebenfalls Persönlichkeitsstörungen hervorrufen. Alltägliche Dinge können nicht mehr richtig ausgeführt werden. Der Betroffene hat meistens auch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und auch Sprechen. Ein sozialer Rückzug ist ebenfalls nicht selten. Die Erkrankung kann ebenfalls zu einer Inkontinenz und damit eine Pflegebedürftigkeit führen.

Bei Stimmungsschwankungen ist es in erster Linie nicht notwendig, einen Arzt aufzusuchen. Diese können bei vielen Menschen mit der Zeit auftreten und dann wieder von alleine verschwinden. Vor allem Frauen sind in einer Schwangerschaft oder während der Periode von Stimmungsschwankungen betroffen. Eine Behandlung durch einen Arzt ist dabei nicht zwingend notwendig.

Ein Arzt kann dann aufgesucht werden, wenn die Stimmungsschwankungen permanent über einen längeren Zeitraum auftreten und dabei nicht von alleine verschwinden. Möglicherweise leidet der Betroffene dann an einem unausgeglichenen Hormonhaushalt oder an einer anderen Erkrankung, die untersucht und behandelt werden muss.

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Für einige Menschen bleibt es nicht bei einer sozial verträglichen Form der
Eifersucht. Verselbstständigt sich der Argwohn, kann er Beziehungen zerstören und den Alltag mit Zweifeln vergiften. „Medizinisch unterscheiden wir drei Formen der Eifersucht“, sagt Harald Oberbauer, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, „die normale Eifersucht, die krankhafte Eifersucht und den Eifersuchtswahn.“

Oberbauer leitet an der Medizinischen Universitätsklinik Innsbruck die erste Eifersuchtsambulanz im deutschsprachigen Raum. „Die Alarmglocken läuten bei mir, wenn sich Betroffene nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren können, wenn es immer die gleichen Gedanken sind, die in ihren Köpfen kreisen.“ Eines der Hauptmerkmale für krankhafte Eifersucht ist das Checking, das dem Partner Hinterherspionieren, das ständige Kontrollieren. Männer durchsuchen die Handtaschen ihrer Frauen nach Beweisen für ihren Verdacht. Frauen folgen ihren Männern zum angeblichen Pokerabend. E-​Mail-​Accounts werden durchforstet, SMS gelesen.

Was lässt Menschen so sehr an ihrem Partner zweifeln? „Pathologische Eifersucht kann Ausdruck von ganz unterschiedlichen Störungen sein“, sagt Oberbauer. Suchterkrankungen, etwa Alkoholismus, Depressionen, Angststörungen und Psychosen können einen Menschen extrem eifersüchtig werden lassen. Aber auch eine gestörte Kommunikation in der Beziehung oder ein gemindertes Selbstwertgefühl können das Misstrauen ins Krankhafte steigern. Männer mit Potenzproblemen haben manchmal Angst, ihrer Frau nicht mehr zu genügen. Auch große Altersunterschiede können diese hilflose Unsicherheit auslösen, die Eifersucht heraufbeschwört.

Am Ende steht der Wahn. „Die Patienten sind fest davon überzeugt, betrogen zu werden. Gegenargumente werden nicht zugelassen, selbst wenn ihre Anschuldigen absurd sind.“ Eine häufige Ursache für solch einen Wahn ist eine hirnorganische Störung. Als Alois Alzheimer im Jahr 1901 auf Auguste D. traf (die erste Patientin, an der er die später nach ihm benannte Demenz diagnostizierte), fiel ihm zuerst ihre wahnhafte Eifersucht auf. Auch manche Parkinsonpatienten oder Unfallopfer, deren Gehirn geschädigt wurde, entwickeln die wahnhafte Vorstellung, dass sie hintergangen werden. Den Schlüssel zur Eifersucht vermuten Wissenschaftler daher genau hier: in unseren Köpfen.

Um besser zu verstehen, welche Rolle unser Gehirn spielt, schauen Wissenschaftler sich das Gehirn mit bildgebenden Verfahren wie MRT– oder PET-​Scans genauer an. Zeigen die Versuchspersonen Anzeichen von Eifersucht, sehen die Wissenschaftler häufig Aktivitäten in visuellen Bereichen und im limbischen System, das an der Verarbeitung von Emotionen, Gelerntem und Erinnerungen beteiligt ist. Aber auch kognitive Teile des Gehirns – Areale, mit denen wir grübeln – leuchten auf. Das gleiche gilt für die Insula, die mitspielt bei der Verarbeitung von Gerüchen, bei Empathie oder der Bewertung von Schmerz. Wenn der Stachel der Eifersucht in das Herz bohrt, feuern ihre Neuronen los. Wird aus Eifersucht eine Obsession, könnte nach Ergebnissen von Forschern aus Pisa noch ein anderer Teil des Gehirn beteiligt sein: der ventromediale präfrontale Cortex, er gehört zum vorderen Bereich des Gehirns. Auch hier werden Emotionen verarbeitet wie auch Reflexionen über sich und andere.

Demenz

Demenz ist ein erworbenes Defizit kognitiver, aber auch sozialer, motorischer und emotionaler Fähigkeiten. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „De mentia“ bedeutet auf Deutsch „ohne Geist“.

Empathie

Der Begriff „Empathie“ geht auf das altgriechische Wort für „Leidenschaft“ zurück. Heute versteht man unter Empathie das Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen und deren Gefühle, Gedanken und Handlungsweisen nachzuvollziehen. Die physiologische Basis dafür sehen viele Neurowissenschaftler in den Spiegelneuronen: Nervenzellen, die beim Beobachten einer Handlung ebenso aktiv sind wie bei deren Ausführung.

Neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

Emotionen

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

„Unsere Hauptaufgabe“, sagt Harald Oberbauer, „besteht darin, zu schauen: Was steckt wirklich hinter der Eifersucht?“ Erst dann kann er die Patienten in die spezifische Behandlung schicken: einen Entzug oder eine Therapie ihrer Depressionen oder Minderwertigkeitsgefühle. Auch Medikamente, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen, kommen zum Einsatz. Denn bei den Störungen, die Eifersucht auslösen, sind meist Neurotransmitter beteiligt. In Untersuchungen konnten Forscher die Symptome ihrer Patienten lindern, indem sie ihnen Medikamente verabreichten, die eine Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzellen hemmten.

Auch an der Innsbrucker Klinik haben mittlerweile über 900 Menschen nach Wegen gesucht, ihre Eifersucht in den Griff zu bekommen. „Den meisten können wir helfen“, sagt Psychiater Oberbauer.

Depression

Phasenhaft auftretende psychische Erkrankung, deren Hauptsymptome die traurige Verstimmung sowie der Verlust von Freude, Antrieb und Interesse sind.

Neurotransmitter

Ein Neurotransmitter ist ein chemischer Botenstoff, eine Mittlersubstanz. An den Orten der Zell-​Zellkommunikation wird er vom Senderneuron ausgeschüttet und wirkt auf das Empfängerneuron erregend oder hemmend.

Serotonin

Ein Neurotransmitter, der bei der Informationsübertragung zwischen Neuronen an deren Synapsen als Botenstoff dient. Er wird primär in den Raphé-​Kernen des Mesencephalons produziert und spielt eine maßgebliche Rolle bei Schlaf und Wachsamkeit, sowie der emotionalen Befindlichkeit.

Neuron

Das Neuron ist eine Zelle des Körpers, die auf Signalübertragung spezialisiert ist. Sie wird charakterisiert durch den Empfang und die Weiterleitung elektrischer oder chemischer Signale.

zum Weiterlesen:

  • Marneros, Andreas: Intimizid. Die Tötung des Intimpartners: Ursachen, Tatsituationen und forensische Beurteilung, Stuttgart 2007
  • David M. Buss, The Dangerous Passion. Why Jealousy Is as Necessary as Love and Sex, New York 2000
  • Barelds et al.: Relations between Different Types of Jealousy and Self and Partner Perceptions of Relationship Quality. Clinical Psychology and Psychotherapy 2007;14:176 – 188
  • Hart, S. et al.: When Infants Lose Exclusive Maternal Attention: Is It Jealousy? Infancy 2004;6(1):57 – 78
  • Penke et al.: Evidence for Conditional Sex Differences in Emotional but Not in Sexual Jealousy at the Automatic Level of Cognitive Processing. European Journal of Personality 2008;22:3 – 30
  • Rydell, RJ, Bringle, RG: Differentiating Reactive and Suspicious Jealousy. In: Social Behavior and Personality 2007;35:1099 – 1114
  • Levy KN, Kelly KM.: Sex Differences in Jealousy. A Contribution From Attachment Theory. Psychological Science, 2010 Feb;21(2):168 – 73 (zum Abstract).
  • Felson, RB: Anger, aggression, and violence in love triangles. Violence and Victims 1997 Winter; 12(4):345 – 362 (zum Abstract).

Emotionen

Unter „Emotionen“ verstehen Neurowissenschaftler psychische Prozesse, die durch äußere Reize ausgelöst werden und eine Handlungsbereitschaft zur Folge haben. Emotionen entstehen im limbischen System, einem stammesgeschichtlich alten Teil des Gehirns. Der Psychologe Paul Ekman hat sechs kulturübergreifende Basisemotionen definiert, die sich in charakteristischen Gesichtsausdrücken widerspiegeln: Freude, Ärger, Angst, Überraschung, Trauer und Ekel.

Anspruch auf ALG II haben alle erwerbsfähigen, hilfebedürftigen Personen im Alter zwischen 15 und 65-67 Jahren (je nach Renteneintrittsalter), wenn sie sich gewöhnlich in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten.

Leistungsberechtigt sind auch die Personen, die mit einem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen in einem Haushalt zusammenleben und eine gemeinschaftliche Haushaltsführung betreiben. Sie bilden gemeinsam mit dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen eine Bedarfsgemeinschaft.

Im folgenden Ratgeber erhalten Sie eine Übersicht, wann ein Hartz IV Anspruch gegeben ist sowie welche Leistungen Ihnen neben dem Arbeitslosengeld II zustehen oder alternativ geleistet werden.

Personen, die Altersrente beziehen, sind nicht anspruchsberechtigt, ggfls. kommt hier die Grundsicherung im Alter und bei Ewerbsminderung in Betracht. Ebenfalls ausgeschlossen sind auch Personen, die in stationären Einrichtungen untergebracht sind, es sei denn,

  • sie sind für voraussichtlich weniger als sechs Monate in einem Krankenhaus untergebracht
  • sie sind in einer stationären Einrichtung untergebracht, aber mindestens 15 Stunden wöchentlich erwerbstätig

ALG II-Leistungen werden im Regelfall auch nicht erbracht an Auszubildende, Studenten und Teilnehmer an einer berufsvorbereitenden Maßnahme. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz kommt nur bei Vorliegen einer besonderen Härte in Betracht.

Anspruch auf Hartz 4 haben nur erwerbsfähige Personen im Alter zwischen 15 und 65-67 Jahren. Besteht keine Erwerbsfähigkeit, kann gegebenenfalls ein Anspruch auf Sozialgeld infrage kommen, wenn die Zugehörigkeit zu einer Bedarfsgemeinschaft gegeben ist.

Die Erwerbsfähigkeit ist gesetzlich definiert (§ 8 SGB II). Sie wird bejaht, wenn die Person mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig sein kann, ohne daran aufgrund Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit gehindert zu sein. Als absehbar in diesem Sinne gilt dabei ein Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Alle sonstigen Tatbestände, die zur Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit führen können, bleiben daneben außer Betracht. Deshalb gilt grundsätzlich auch als erwerbsfähig, wem eine Erwerbstätigkeit aufgrund der Erziehung eines Kindes unter drei Jahren oder der Pflege eines Angehörigen nur vorübergehend nicht zuzumuten ist.

Art und Ausmaß der Krankheit oder Behinderung, die zum Ausschluss der Erwerbsfähigkeit führen können, werden von den Sozialleistungsträger festgestellt (§ 44a SGB II). Hierzu kann sich der Leistungsträger der Hilfe der medizinischen Dienste der Gesundheitsämter bedienen. Dabei gilt zudem, dass allein das Vorliegen einer Behinderung die Erwerbsfähigkeit im Sinne des § 8 SGB II nicht ausschließt. Grundsätzlich wird daher auch bei behinderten Personen die Erwerbsfähigkeit in jedem Einzelfall geprüft.

Ursprünglich war die Erwerbsfähigkeit bis zu einem Alter von 65 Jahren festgelegt, was auch das Alter für den Eintritt der Regelaltersrente gewesen ist. Vor ein paar Jahren hat die Regierung jedoch die Rente mit 67 eingeführt, was das Renteneintrittsalter je nach Geburtsjahr, stufenweise von 65 Jahren bis auf 67 Jahre anhebt. Welches Ihr Renteneintrittsalter ist, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Das Gesetz regelt in § 12a SGB II, dass ab dem Alter von 63 Jahren Leistungsbezieher verpflichtet werden können, einen vorzeitigen Antrag auf die Altersrente. Weigert sich der Leistungsbezieher, so eröffnet das Gesetz auch dem Jobcenter die Möglichkeit, den Antrag auf Rente zu stellen. Durch diese „Zwangsverrentung“ entstehen Hartz IV Beziehern für den späteren Bezug der Rente Nachteile, da für jeden Monat, der vor dem regulären Renteneintrittsalter beginnt, die Rente um 0,3% gekürzt wird. Weitere Informationen in einem gesonderten Artikel unter ZWANGSVERRENTUNG – Wenn Jobcenter Hartz IV Bezieher zur Frührente zwingen

Hilfebedürftig nach § 9 SGB II ist danach derjenige, der seinen und den Lebensunterhalt der übrigen Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft nicht oder nicht ausreichend bestreiten kann und keine erforderliche Hilfe von dritter Seite erhält.

Das bedeutet insbesondere, dass der Lebensunterhalt nicht sichergestellt werden kann durch

  • Aufnahme einer zumutbaren Arbeit
  • Einsatz von Einkommen und Vermögen
  • Unterstützung von Angehörigen oder anderen Sozialleistungsträgern

Eigenes als auch Einkommen und Vermögen der übrigen Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft sind daher bei der Bestimmung der Hilfebedürftigkeit zu berücksichtigen. Das gleiche gilt für mögliche anderweitige Ansprüche auf Sozialleistungen. Bestehen solche Ansprüche, sind sie geltend zu machen, wenn dadurch die Hilfebedürftigkeit und ein grundsätzlich nachrangiger Anspruch auf Bezug von ALG II abgewendet werden kann, z.B. durch Wohngeld. Diese Verpflichtung ist gesetzlich festgeschrieben (§ 12a SGB II). Kommen Hilfebedürftige ihr nicht nach, können Anträge auf Leistungsbezug von ALG II abgelehnt werden. Leistungsträger sind zudem berechtigt, selbst die erforderlichen Anträge zu stellen (§ 5 Abs. 3 SGB II).

Insbesondere liegt keine Hilfebedürftigkeit vor, wenn der Lebensunterhalt durch Aufnahme einer zumutbaren Arbeit gesichert werden kann. Grundsätzlich gilt, dass dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen jede Arbeit zumutbar ist, es sei denn,

  • er ist zu der Arbeit körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage
  • die Arbeit erschwert ihm wesentlich die künftige Ausübung seiner bisherigen Arbeit, weil die bisherige Arbeit besondere körperliche Anforderungen stellt
  • die Ausübung der Arbeit gefährdet die Erziehung seines Kindes oder des Kindes seines Partners
  • die Ausübung der Arbeit ist mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar, und die Pflege kann auf andere Weise nicht sichergestellt werden
  • der Ausübung der Arbeit steht sonst ein wichtiger Grund entgegen

Das Gesetz listet zudem eine Reihe von Gründen auf, deren Vorliegen allein die Aufnahme der Arbeit nicht unzumutbar macht. Eine Arbeit ist danach nicht schon deshalb unzumutbar, weil

  • sie nicht einer früheren Berufstätigkeit entspricht, für die der Hilfebedürftige ausgebildet worden ist oder die er ausgeübt hat
  • sie hinsichtlich der Ausbildung des Hilfebedürftigen als geringwertig anzusehen ist
  • der Beschäftigungsort vom Wohnort weiter entfernt ist als ein früherer Beschäftigungs- oder Ausbildungsort
  • die Arbeitsbedingungen ungünstiger sind als bei den bisherigen Beschäftigungen
  • sie mit der Beendigung einer Erwerbstätigkeit verbunden ist (es sei denn, durch die bisherige Tätigkeit kann die Hilfebedürftigkeit beendet werden)

Es besteht demzufolge die generelle Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme zur Vermeidung der Hilfebedürftigkeit, und die Ablehnung von Arbeit ist nur unter sehr engen Voraussetzungen möglich. Beruft sich der erwerbsfähige Hilfebedürftige auf einen Ausnahmetatbestand, ist er verpflichtet, im Einzelnen darzulegen und nachzuweisen, dass die Arbeit ihm nicht zumutbar ist.

Ergänzende Leistungen bei Erwerbstätigkeit (Aufstocker)

Grundsätzlich stellt der jeweils aktuelle Regelsatz in der Grundsicherung für Arbeitsuchende den sozialstaatlich garantierten Minimalbetrag zur privaten Existenzsicherung dar. Das heißt, dass Arbeitslosigkeit keine Anspruchsvoraussetzung für den Bezug von ALG II-Leistungen ist. Diese Sozialleistung kann deshalb auch dann in Anspruch genommen werden, wenn die erzielten Einkünfte aus einer Erwerbstätigkeit nicht ausreichen, um den Grundbedarf einer Einzelperson oder einer Bedarfsgemeinschaft zu decken.

Entsprechende Ansprüche auf die Erbringung ergänzender ALG II-Leistungen bestehen dabei nicht nur bei Geringverdienern, sondern auch bei dem Bezug von Arbeitslosengeld I (so genannte Aufstocker).

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Die bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der die Betroffenen an übersteigerten, weit über das normale Maß hinausgehenden Stimmungsschwankungen und Antriebsstörungen leiden. Dabei wechseln sich depressive Phasen mit manischen Phasen ab. Während depressive Episoden mit einem Gefühl der Traurigkeit und inneren Leere, Interessen- und Antriebslosigkeit einhergehen, empfinden Betroffene in manischen Phasen eine grenzenlose Hochstimmung mit gesteigertem Tatendrang und Selbstüberschätzung.

Stimmungsschwankungen kennt vermutlich jeder Mensch. An manchen Tagen fühlt man sich glücklich, das Leben ist heiter und unbeschwert und alles geht einem leicht von der Hand. Dann wiederum gibt es Tage, an denen man sich bereits beim Aufwachen niedergeschlagen fühlt. Die Welt wirkt trist und grau und alles erscheint anstrengend und mühsam. Solche gelegentlichen Stimmungsschwankungen sind völlig normal und meistens eine Reaktion auf bestimmte Situationen und Lebensumstände.

Bei der bipolaren Störung, die einige Ärzte auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnen, gehen die Stimmungsschwankungen weit über dieses normale Maß hinaus. Die Stimmung pendelt unabhängig von der Lebenssituation und ohne konkreten Anlass wie bei einer Achterbahnfahrt zwischen den Extremen hin und her – von „himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt“. Phasen schwerer Depression und Schwermütigkeit und sogenannte manische Phasen mit intensivem Hochgefühl und überschäumender Euphorie lösen sich gegenseitig ab und können sich ohne Unterbrechung über viele Monate oder sogar Jahre hinziehen.

Bei Menschen mit einer bipolaren Störung schwanken die Stimmungen zwischen tiefer Depression und euphorischer Hochstimmung © Fotolia

Die Betroffenen fühlen sich diesem Wechselbad der Gefühle meistens hilflos ausgeliefert und sind kaum in der Lage, ihre Stimmung selbst zu beeinflussen. Die bipolare Störung wirkt sich allerdings nicht nur auf die Stimmung aus, sie verändert auch das Denken, das Handeln und den körperlichen Zustand der betroffenen Menschen. In manchen Fällen ist die psychische und soziale Beeinträchtigung durch die Erkrankung so schwerwiegend, dass ein normaler Alltag nicht mehr möglich ist.

Die bipolare Störung ist kein einheitliches Krankheitsbild und verläuft individuell sehr unterschiedlich. Vor allem die Schwere und die Länge der einzelnen Episoden kann sehr verschieden sein. Grundsätzlich unterscheiden Ärzte vier unterschiedliche Formen der bipolaren Störung:

  • Bipolar-I-Erkrankungen sind durch einen Wechsel von stark ausgeprägten Manien und schweren Depressionen gekennzeichnet.
  • Bei den Bipolar-II-Erkrankungen sind die manischen Phasen kürzer und weniger stark ausgeprägt als bei der Bipolar-I-Erkrankung. Man bezeichnet solche Episoden auch als Hypomanien. Hypomanische Episoden sind oft sehr schwer festzustellen und das Krankheitsbild ist nur schlecht von einer reinen Depression zu unterscheiden.
  • Eine besondere Form der bipolaren Störung ist das Rapid Cycling, das viele Betroffene als extrem belastend beschreiben. Beim Rapid Cycling kommt es zu einem besonders schnellen Wechsel der Episoden. Innerhalb von 12 Monaten treten mindestens vier manische, hypomanische oder depressive Phasen auf.
  • Bei den gemischten Episoden treten Symptome von Depression und Manie entweder in extrem schnellem Wechsel oder gleichzeitig auf. Das Krankheitsbild ist bei solchen Mischzuständen sehr variabel und schwer zu diagnostizieren.

Die bipolare Störung ist eine relativ häufige psychische Erkrankung. Experten schätzen, dass bis zu fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind. Das entspricht alleine in Deutschland ca. vier Millionen Menschen. Die Krankheit beginnt meistens im jugendlichen bis jungen Erwachsenenalter. Da Stimmungsschwankungen gerade in der Pubertät aber auch bei gesunden Jugendlichen nicht ungewöhnlich sind, wird die bipolare Störung zu dieser Zeit oft noch nicht als solche erkannt. Noch heute vergehen zwischen der ersten Episode und der Diagnose durchschnittlich fünf bis zehn Jahre. Die psychische und soziale Entwicklung der Betroffenen ist zum Zeitpunkt der Diagnose deshalb oft schon nachhaltig gestört. Es ist deshalb besonders wichtig, die Anzeichen einer bipolaren Störung möglichst früh zu erkennen und so schnell wie möglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zwar kann die Erkrankung zum heutigen Zeitpunkt nicht geheilt werden, eine angemessene Behandlung kann die Situation der Patienten aber erheblich verbessern.

Die bipolare Störung ist eine psychische Störung und auch unter der manisch-depressiven Erkrankung bekannt. Der Patient hat keine körperlichen Leiden, sondern bei der kann seinen täglichen Ablauf nicht mehr willentlich kontrollieren. Er verfällt in ein Verhaltensmuster was die Mitmenschen für nicht normal halten. Das geht mit den unterschiedlichsten Manien daher, wie zum Beispiel Hochgefühl und Kaufzwang.

Unter bipolar versteht man entgegengesetzt, das beschreibt den Wechsel aus manischen und hypomanischen Phasen. Die Depression tritt bei den Betroffenen in verschieden langen Zeitabschnitten auf, es kann 4 x im Jahr auftreten aber auch wöchentlich. Der Patient fällt in ein schwarzes Loch möchte sich verkriechen und von niemanden etwas hören. Je nachdem wie häufig und stark die Störungen auftreten, muss die Behandlung entsprechend ausgerichtet werden. Es ist sehr schwer, eine vollständige Heilung zu erlangen. Der behandelnde Arzt wird verschiedene Medikamente verschreiben und den Patienten in besonders schweren Fällen in eine Klinik einweisen. Die Selbstmordrate ist bei der bipolaren Störung sehr hoch, man spricht von ca 20 % der Betroffenen. Man hat inzwischen festgestellt, dass eine der Ursachen für den Ausbruch der Krankheit teils genetisch bedingt ist; es handelt sich hierbei um ca 10 % der Erkrankten. Die vielfältigen anderen Gründe für die bipolare Störung ist das Umfeld des Patienten. So kann Mobbing am Arbeitsplatz, unregelmäßige Schichtarbeit, zu viel Arbeit und zu wenig Schlaf ein Grund sein. Schicksalsschläge wie der Tod eines geliebten Menschen, Vertreibung aus der Heimat, Krieg und viele andere extreme Situationen können den Ausbruch verursachen.

Aber auch ein Überfall oder eine Vergewaltigung und ein schwerer Unfall kann zu der Störung führen. Je schneller in diesen Fällen eine psychologische Betreuung erfolgt, desto besser ist die Heilungschance.

Da gesunde Mitmenschen den krankhaften Zustand nicht nachvollziehen können und daher auch nicht damit umgehen können, wird ein solcher Patient ausgegrenzt. Er verliert häufig seinen Arbeitsplatz, seine Freunde oder manchmal auch seine Familie. Dies wiederum verschlimmert den Zustand in der Regel und es wird noch problematischer eine Heilung zu erlangen. Die Möglichkeit hier zu helfen ist für die Personen im Umfeld des Patienten sehr begrenzt. In manchen Fällen kann aber eine Ruhephase im Leben und eine Änderung der Störfaktoren zu einer Besserung führen, wobei dies aber nicht von heute auf morgen erfolgt, sondern man muss Geduld haben.

„Die Struktur aber ist auch gefährlich: Wann wird sie zum Stress, wann die beamtische Pflicht zum deprimierenden Übel? Ausschlafen aus gesundheitlichen Gründen ist immer wieder angezeigt, bloß nicht dem Stress das Steuer überlassen; doch auch nicht zu viel schlafen, denn sonst ist die depressive Verstimmung da, und die Abwehrreaktion dagegen könnte eine Manie auslösen. Schläft man wiederum zu wenig, droht die Manie gleich unvermittelt. Oh boy.

(Die Welt im Rücken von Thomas Melle, S. 213)

„Wir müssen keine Übermenschen sein, um schlechte Zeiten zu überstehen, und niemand kann immer gut drauf sein. Aber auch wenn die Dinge ganz schlecht aussehen, können wir immer noch positiv in die Zukunft blicken. Optimismus ist eine Wahlmöglichkeit, die wir haben, wenn wir kreativ sind und selbst die Initiative ergreifen.“

Und manchmal gilt es abzuwarten und durchzuhalten, bis man wieder frei genug ist zu erkennen, dass es diese Wahlmöglichkeit tatsächlich gibt.

„…Dabei gibt es zwei wichtige Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten: bei der Kompensation darauf zu achten, dass andere Menschen bzw. die Umgebung (die Umwelt) so wenig wie möglich belastet werden, und bei der notwendigen Ablenkung, das tendenzielle Suchtpotential auf mehrere ‚Objekte der Begierde‘ zu verteilen. Die grundlegende Kompensation besteht bei Größenselbst-Narzissten in der übermäßigen Leistungsbereitschaft und bei Größenklein-Narzissten in der Versorgungsmentalität. So lässt sich beispielsweise das Leistungsbedürfnis auch durch Fähigkeiten und Handlungen befriedigen, die der Entspannung dienen und physiologisches Regulationspotential gegen inneren Stress ermöglichen, ohne dass Frühbedrohung und früher Liebesmangel reaktiviert werden. Entspannungstechniken (Autogenes Training, konzentrative Entspannung, Jacobson’sche Muskelrelaxation, Tai-Chi, Qigong, Yoga u. a.), Meditationstechniken und Bewegungsübungen, Gymnastik und Muskeltraining, aber auch ganz gewöhnliches Wandern, Schwimmen und Radfahren lassen sich wohl mit narzisstischem Ehrgeiz betreiben, fordern aber nicht ständig mehr Leistung, sondern bringen Freude durch Regelmäßigkeit, Abwechslung und verfeinerte Technik…“

„…Er ermüdete bald, hatte immer eine Neigung zu liegen und einzuschlafen und sah fast fortwährend allerlei andere Dinge, als die ihn wirklich umgaben. Was es eigentlich für Dinge waren, wusste er selbst nicht, und er besann sich nicht darüber. Es waren helle, zarte, ungewöhnliche Träume, die ihn wie Bildnisse oder wie Alleen fremdartiger Bäume umstanden, ohne dass etwas in ihnen geschah. Reine Bilder, nur zum Anschauen, aber das Anschauen derselben war doch auch ein Erleben. Es war ein Weggenommensein in andere Gegenden und zu anderen Menschen. Es war ein Wandeln auf fremder Erde, auf einem weichen, angenehm zu betretenden Boden, und es war ein Atmen fremder Luft, einer Luft voll Leichtigkeit und feiner, träumerischer Würze. An Stelle dieser Bilder kam zuweilen auch ein Gefühl, dunkel, warm und erregend, als glitte ihm eine leichte Hand mit weicher Berührung über den Körper…“

Wir sind in mehr als 57 Ländern rund um die Welt tätig. Wenn Ihr Land nicht dabei ist, wenden Sie sich bitte an unsere weltweit zuständigen Kontaktpersonen.

Die bipolare Störung Typ I ist eine chronische (langfristige) und invalidisierende psychiatrische Erkrankung, die durch wiederholte manische und depressive Episoden oder eine Mischung aus beiden gekennzeichnet ist.

Übersicht über die bipolare Störung Typ I
Die bipolare Störung Typ I ist eine Unterform der bipolaren Störung – einer schweren psychischen Erkrankung, die früher als manisch-depressive Psychose bezeichnet wurde. Sie ist durch Phasen mit veränderter Stimmung gekennzeichnet, die manisch, depressiv oder gemischt (d. h. schneller Wechsel zwischen Manie und Depression) sein können. Die extremen Stimmungen haben häufig Probleme im Alltag zur Folge, können zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigen und zu Suizidversuchen führen. Der ersten manischen Episode, die für die Diagnosestellung der bipolaren Störung Typ I notwendig ist, gehen häufig eine oder mehrere depressive Episoden voraus.

Bipolare Störung: Erkrankung bleibt häufig unerkannt

Zwischen ausufernder Euphorie und Todeswunsch: Menschen mit bipolarer Störung erleben ein gefährliches Wechselbad der Gefühle. Die manisch-depressive Erkrankung bleibt oft unerkannt - das kann die Betroffenen das Leben kosten.

Sonnenseite und Schatten: Menschen mit bipolaren Störungen schwanken zwischen Extremen

Eine einfache Angestellte shoppt für einen fünfstelligen Betrag online - aus Spaß. Ein Familienvater prescht mit 200 Kilometern pro Stunde im Auto über Landstraßen, weil er sich für unverwundbar hält. Der beliebte Kollege streitet plötzlich mit dem Chef und kündigt. All diese Beispiele beschreiben Auswüchse einer Manie, eines extremen und krankhaften Überschwangs. Die gleichen Menschen kennen auch das Gegenteil: depressive Phasen, in denen sie sich zurückziehen, grübeln, düsteren Gedanken nachhängen, und in ihnen der Wunsch zu sterben wächst.

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Manische Episoden werden normalerweise mit Lithium behandelt, das möglicherweise eine neuroprotektive Wirkung hat [10].

Einige Veränderungen im Lebensstil des Patienten können zu einer besseren Prognose führen. Patienten mit einer bipolaren depressiven Erkrankung wird geraten eine adäquate Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren über ihre Ernährung zu gewährleisten [11]. Die Salzzufuhr sollte vermindert werden. Die Erstellung und Einhaltung eines passenden Trainingsplans kann sich ebenfalls positiv auswirken.

Eine bipolare Störung ist mit starken Einschränkungen verbunden und hat einen starken Einfluss auf viele Lebensbereiche des Patienten [7]. Ein typischer Patient mit einer bipolaren Störung durchläuft durchschnittlich acht bis zehn depressive Episoden in seinem Leben. Es ist nicht klar wie oft eine Erkrankung im Kindesalter bis ins Erwachsenenalter andauert oder eine zukünftige Erkrankung begünstigt.

Patienten mit einer bipolaren Störung haben auch ein erhöhtes Risiko für Atemwegs- oder Kreislauferkrankungen [8]. Aufgrund dieser Komorbiditäten sterben Patienten mit einer bipolaren Störung durchschnittlich neun Jahre früher als statistisch erwartet [9].

Eine genetische Prädisposition spielt bei der Entwicklung einer bipolaren Störung eine herausragende Rolle. Markante Stressfaktoren im Lebenslauf und externe Faktoren können sowohl den Ausbruch als auch weitere Episoden auslösen.

Genetische Faktoren

Eine bipolare Störung wird über gut erforschte genetische Prädispositionen verursacht. Bei eineiigen Zwillingen tritt eine bipolare Störung in 40-70% der Fälle bei beiden Zwillingen auf, bei zweieiigen Zwillingen nur in 5-25%. 50% der Patienten mit einer bipolaren Störung haben zumindest ein Elternteil mit einer psychischen Erkrankung.

Die wichtigsten bisher gefundenen Gene für die Ausprägung einer bipolaren Störung sind das ANK3-, CACNA1C-, und CLOCK-Gen [1] [2].

Biochemische Faktoren

Medikamente oder Drogen, die zu erhöhten Werten von Monoamin-Neurotransmittern führen (z.B. Serotonin, Norepinephrin, Dopamin), können eine bipolare Störung verursachen. Erhöhte Glutamatwerte wurden auch mit dieser Erkrankung in Verbindung gebracht. Calciumkanalinhibitoren und ein hormonelles Ungleichgewicht können zur Ausbildung einer bipolaren Störung beitragen.

Umweltfaktoren

Psychischer Druck und eine hohe Arbeitsbelastung können bei Patienten mit einer bipolaren Störung zu einer verstärkten Stressreaktion führen. Beispielsweise stellt eine Schwangerschaft für Frauen mit einer Vergangenheit mit manisch-depressiven Episoden eine besondere Stresssituation dar.

Die bipolare Störung ist eine der am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Normalerweise manifestiert diese Erkrankung im Alter zwischen 15 und 30 Jahren. Die Inzidenz ist in gehobenen sozioökonomischen Schichten größer.

In den Vereinigten Staaten variiert die Prävalenz der bipolaren Störung zwischen 1 und 1.6%. Studien weisen darauf hin, dass Unterschiede zwischen der Prävalenz der bipolaren Störung bestehen und bei 1% für Typ 1 (BP-I) bzw. bei 1.1% für Typ 2 (BP-II) liegen [3].

Weltweit betrachtet liegt die Prävalenz bei 0.3-1.5%. Die Lebenszeitprävalenz beträgt 0.6% für BP-I, 0.4% für BP-II; für die subklinische Ausprägung der bipolaren Störung wurde eine Lebensprävalenz von 1.4% ermittelt [4].

Patienten mit einer bipolaren Störung leiden häufig auch an anderen Erkrankungen. Typisch sind kardiovaskuläre Krankheitsbilder, Diabetes mellitus, Adipositas und weitere psychische Störungen [5]. Diese sekundären Erkrankungen sind der Hauptgrund für die beobachtete verringerte Lebenserwartung bei Patienten mit einer bipolaren Störung.

Die Pathophysiologie der bipolaren Störung ist noch nicht vollständig erforscht.

Die genetische Rolle bei der Prädisposition der Patienten ist für diese Krankheit gut beschrieben. Die zugrundeliegende Regulationsstörung biogener Amine oder Neurotransmitter - speziell bezogen auf Serotonin, Norepinephrin und Dopamin - ist ebenfalls bekannt.

Magnetresonanztomografien deuten auf Anomalien im Bereich des präfrontalen kortikalen Bereichs, des Striatums und der Amygdala hin.

Funktionelles Neuroimaging hat gezeigt, dass in bestimmten Gehirnregionen bei einer bipolaren Störung Hyper- bzw. Hypoaktivitäten bestehen [6].

Eine bipolare Störung kann nicht verhindert werden, eine geeignete Medikation kann jedoch die Stimmungsschwankungen eindämmen und kontrollieren.

Bipolare Störungen sind psychische Störungen, welche zu den affektiven Störungen gehören. Sie sind gekennzeichnet vom Wechsel zwischen depressiven, manischen und hypomanischen Zuständen oder gemischten Episoden. Dauer und Frequenz der Stimmungswechsel bei bipolaren Störungen variieren.

Die Ätiologie der bipolaren Störung ist durch ein Zusammenwirken verschiedener biochemischer, psychischer, genetischer und umweltbedingter Faktoren charakterisiert.

Die bipolare Störung ist eine häufige, ernste und anhaltende psychische Erkrankung, die durch wechselnde Episoden mit Depressionen und erhöhter Reizbarkeit gekennzeichnet sind. Diese Krankheit wird normalerweise bei Patienten diagnostiziert, die jünger als 21 Jahre sind. Der Ausprägungsgrad der Erkrankung ist patientenabhängig. Geeignete Medikamente können die Depressionen und Stimmungsschwankungen erfolgreich kontrollieren.

  1. Sklar P, Smoller JW, Fan J, et al. Whole-genome association study of bipolar disorder. Molecular Psychiatry. 2008;13(6):558-569.
  2. Baum AE, Akula N, Cabanero M, et al. A genome-wide association study implicates diacylglycerol kinase eta (DGKH) and several other genes in the etiology of bipolar disorder. Molecular Psychiatry. 2008;13(2):197-207.
  3. Calabrese JR. Overview of patient care issues and treatment in bipolar spectrum and bipolar II disorder. The Journal of Clinical Psychiatry. 2008;69(6):e18.
  4. Merikangas KR, Jin R, He JP, et al. Prevalence and correlates of bipolar spectrum disorder in the world mental health survey initiative. Archives of General Psychiatry. 2011;68(3):241-251.
  5. Price AL, Marzani-Nissen GR. Bipolar disorders: a review. American Family Physician. 2012;85(5):483-493.
  6. Houenou J, Frommberger J, Carde S, et al. Neuroimaging-based markers of bipolar disorder: evidence from two meta-analyses. Journal of Affective Disorders. 2011;132(3):344-355.
  7. Ketter TA. Diagnostic features, prevalence, and impact of bipolar disorder. The Journal of Clinical Psychiatry. 2010;71(6):e14.
  8. Hoang U, Stewart R, Goldacre MJ. Mortality after hospital discharge for people with schizophrenia or bipolar disorder: retrospective study of linked English hospital episode statistics, 1999-2006. BMJ. 2011;343:d5422.
  9. Crump C, Sundquist K, Winkleby MA, Sundquist J. Comorbidities and mortality in bipolar disorder: a Swedish national cohort study. JAMA Psychiatry. 2013;70(9):931-939.
  10. Bauer M, Alda M, Priller J, Young LT, International Group For The Study Of Lithium Treated P. Implications of the neuroprotective effects of lithium for the treatment of bipolar and neurodegenerative disorders. Pharmacopsychiatry. 2003;36 Suppl 3:S250-254.
  11. Sarris J, Mischoulon D, Schweitzer I. Omega-3 for bipolar disorder: meta-analyses of use in mania and bipolar depression. The Journal of Clinical Psychiatry. 2012;73(1):81-86.

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Was ist eine bipolare Störung oder manische Depression?

Die bipolare Störung oder manische Depression wird den affektiven psychischen Störungen zugeordnet. Affektiv bedeutet sinngemäß: Von der aktuellen Stimmung geleitet. Eine bipolare Störung beinhaltet sowohl manische als auch depressive Phasen. Die jeweiligen Phasen sind nicht mit dem Willen beeinflussbar, können aber mit den richtigen Maßnahmen und den passenden Psychopharmaka mitunter abgeschwächt werden. Auf die medikamentöse Unterstützung kann bei dieser psychischen Erkrankung in der Regel nicht verzichtet werden. Manchmal ist eine Anpassung der Medikamentenzusammenstellung und -dosis erforderlich. Ist der Patient medikamentös wieder richtig eingestellt, kann er bis zum nächsten Ausbruch einer Phase wieder ein relativ normales Leben führen.

Bei der bipolaren Störung sind auch Mischphasen möglich. So gibt es eine Art Zwischenphase auf dem Weg zur Manie, die hypomanische Phase, in der die Veränderungen im Verhalten noch nicht sehr auffällig sind und schnell als hoher Antrieb, gesteigertes soziales Bedürfnis oder schlicht gute Laune missgedeutet werden. Als Angehöriger freut man sich dann möglicherweise, dass der Betroffene aus der Depression heraus ist und es scheinbar wieder aufwärts geht. Daher übersieht man eventuell die feinen Anzeichen dafür, dass sich auch wieder eine Manie anbahnen könnte. Eine weitere Mischphase ist die, in der manische Aspekte mit einer eher depressiven Grundstimmung vermengt ist.

Die einzelnen manischen und depressiven Phasen sind auf der Internetseite von Falk Richter noch näher beschrieben. Auch mögliche Maßnahmen zur Prophylaxe von Depressionen können Sie dort nachlesen.

Die Dauer der Phasen kann – ebenso wie der gesamte Krankheitsverlauf – ganz unterschiedlich sein. Über mehrere Wochen kann sich die manische Phase hinziehen. Die Depression kann noch länger dauern. Nicht immer kann ein konkreter Auslöser für die Phasen von außen festgestellt werden. Im späteren Verlauf genügen immer geringere Auslöser für den Ausbruch einer manischen oder depressiven Phase, und die Frequenz zwischen den Phasen kann sich verringern. Allerdings kann es auch sein, dass die depressiven Phasen mit steigendem Alter häufiger werden und länger anhalten.

Eine genetische Veranlagung ist möglich. Ob diese psychische Krankheit jedoch tatsächlich auftaucht, hängt auch mit anderen Faktoren wie den biografischen Erfahrungen, der Persönlichkeit des Betroffenen und wie er etwa mit Schicksalsschlägen umgeht zusammen. Meist sind Betroffene eher dünnhäutig und schnell durch belastende Ereignisse aus der Bahn geworfen. Wenn sie dann nicht einen gesunden Umgang damit finden, kann sich die Gefahr einer bipolaren Erkrankung möglicherweise vergrößern.

Auch ein hormoneller Einfluss kann die beiden Phasen einer bipolaren Störung begünstigen. So wird bei einer Manie im Körper deutlich mehr Dopamin und Noradrenalin ausgeschüttet, was den gesteigerten Antrieb erklärt. Bei der Depression hingegen ist zu wenig Serotonin und Noradrenalin vorhanden, so dass der Antrieb stark vermindert ist und sich der Betroffene kaum mehr an etwas erfreuen kann.

Zu Beginn der Erkrankung gibt es meist einen konkreten Auslöser. Das kann ein schicksalhaftes oder gar traumatisches Ereignis oder der Verlust / Tod eines geliebten Menschen sein. Ist die bipolare Störung dann einmal ausgebrochen, verselbstständigt sich diese psychische Krankheit praktisch.

Bipolare Störung - Symptome der Manie und der Depression

Wodurch äußert sich eine manische Phase?

  • Der Betroffene wirkt überdreht, redet fast ununterbrochen und sprunghaft mit abrupten Themenwechseln. Für den Zuhörer ist es meist sehr schwer, den rasend schnellen Gedankengängen der bipolaren Person zu folgen. Auf dem Höhepunkt der Manie dichtet diese auch Aspekte hinzu.
  • Sein Drang zu handeln ist in der manischen Phase stark erhöht. Dabei muss die Handlung nicht immer Sinn ergeben. Eine Prioritätensetzung erfolgt nicht. Seine Aufmerksamkeit kann sich auf im Augenblick unwichtige Dinge richten und im nächsten Moment schon einen anderen Anreiz finden.
  • Er kann sich offenbar nicht längere Zeit auf eine Sache konzentrieren. Alles, was ihm gerade wild durcheinander im Kopf herumwirbelt, hat für ihn in dieser Situation subjektiv die gleiche Wichtigkeit.
  • Es findet kein vollständiger Realitätsverlust statt. Seine Handlungen und geäußerten Gedanken beziehen sich meist auf eine reale Begebenheit oder Ereignisse aus seinem Leben (auch vergangene Erlebnisse werden angesprochen). Lediglich auf dem Höhepunkt der Manie treten Wahnvorstellungen jeweils kurzfristig und sehr abrupt auf. Fakten kann er meist auf Nachfrage abrufen. Das Gedächtnis wird durch die Erkrankung an sich grundsätzlich nicht beeinträchtigt.
  • In der Manie ist ein Bipolarer generell sehr unruhig. Da er keine Ruhe findet, kann er oft nicht schlafen und verspürt auch nicht das Bedürfnis danach. Er bemerkt nicht, wenn er erschöpft ist, und nimmt die Anzeichen von Erschöpfung oder von gesundheitlichen Beschwerden nicht ernst. Mitunter hält er sich für unbesiegbar.
  • Auch kann es sein, dass er in der manischen Phase übermäßig viel Geld ausgibt oder sich in sozialen Situationen taktlos verhält. Ein Risikobewusstsein ist in der manischen Phase nicht vorhanden.

Was kennzeichnet die depressive Phase?

  • In der depressiven Phase ist der bipolare Mensch eher antriebslos und verspürt keine Freude mehr an den Aktivitäten, die ihm sonst angenehm waren.
  • Alles erscheint ihm sinnlos, seine Lage hoffnungslos, sein Selbstwertgefühl ist im Keller. Im schlimmsten Fall sehnt er sich nach dem Tod. Der suizidale Anteil muss nicht zwangsläufig Teil der Depression sein, kann aber auftreten.
  • Er grübelt ständig über Dinge, die ihm Sorgen bereiten. Negative Gedankenschleifen bilden sich, aus denen er letztendlich ohne Hilfe von außen nicht mehr herauskommt. Er gibt sich selbst die Schuld an allem (auch unbegründet) und macht sich Vorwürfe.
  • Seine Energiekapazität ist sehr eingeschränkt. Selbst einfache Alltagsverrichtungen fallen ihm schwer und er kann sich oft nicht dazu überwinden. Dafür ist er in der Depression viel schneller erschöpft als sonst.
  • Als Nebenerscheinung kann er an Gewicht verlieren, weil er keinen Appetit hat. Oder er nimmt in der depressiven Phase zu, weil er mehr isst (Frustessen, Genuss von Süßigkeiten zur kurzfristigen Stimmungsaufhellung).
  • Die Depression kann auch von Unruhe begleitet sein.

Tipps für Angehörige von einer bipolaren Störung Betroffener

Allgemeine Ratschläge bei einer manischen Depression

  • Halten Sie denKontakt zum Betroffenen aufrecht. Gehen Sie aufmerksam mit ihm um und beobachten Sie seinen Zustand auf etwaige Auffälligkeiten und Symptome. Nehmen Sie ihn als Person, seine Wünsche und Bedürfnisse ernst und gehen Sie auf diese ein.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ansprechpartner – insbesondere die Fachärzte und der behandelnde Psychiater und / oder Psychotherapeut – für akute Fälle zur Verfügung stehen.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie nicht alleine dastehen. Da die Belastung und Verantwortung für eine Person alleine zu groß ist, manchmal sogar die Hilfe mehrerer Leute notwendig ist, sollten sich mehrere Vertrauenspersonen bei der Betreuung des Bipolaren gegenseitig unterstützen. Idealerweise wechseln Sie sich im akuten Fall mit der Begleitung ab.
  • Wägen Sie größere Veränderungen gemeinsam mit dem Betroffenen gründlich ab und bereiten Sie diese, falls diese umgesetzt werden sollen, mit ihm vor. Dies gilt nicht nur für objektiv notwendige Veränderungen (wie einem Umzug wegen Jobwechsel), sondern auch für Veränderungen, die aus Eigenantrieb geschehen. Zur Prophylaxe bei unvorhersehbaren Veränderungen, etwa einem persönlichen Schicksalsschlag oder dem Verlust eines nahestehenden Menschen, hilft eventuell, mit dem Betroffenen offen über seine diesbezüglichen Ängste zu reden.
  • Generell sollten Sie ihm in ernsthaften Gesprächen zugewandt sein, bei Bedarf auch über Tabuthemen mit ihm sprechen können, und ihn auch über möglicherweise Belastendes aus der Vergangenheit sprechen lassen. Bleiben Sie mit dem Bipolaren in Verbindung und hören Sie ihm zu, wenn er sich etwas für ihn Wichtiges von der Seele reden möchte.
  • Tauschen Sie sich mit den anderen Vertrauenspersonen aus. Reden Sie miteinander über Ihre Eindrücke, aber auch Sorgen und Ängste bezüglich des Betroffenen und seiner psychischen Erkrankung.

Vorsicht mit Lichttherapie!

Während bei einer reinen Depression oder einer saisonalen Depression eine Lichttherapie hilfreich sein kann, ist sie bei einer bipolaren Störung eher mit Vorsicht zu genießen. Steckt der Betroffene nicht gerade tief in einer depressiven Phase, kann eine Lichttherapie im Gegenteil kontraproduktiv wirken oder bei einer Überdosis gar eine Manie auslösen! Wenn überhaupt, sollte eine Lichttherapie – falls man sich unter diesen Umständen für eine solche Behandlung entscheidet – bei Bipolaren daher nur im ohnehin lichtarmen Winter im Falle einer akuten Depression, vorsichtig dosiert und in Absprache mit dem behandelnden Facharzt eingesetzt werden.

In der hellen Saison dürfte hingegen ein Spaziergang bei Tageslicht zur Stimmungsaufhellung genügen. Auf jeden Fall ist diese sanfte Maßnahme risikofrei, zumal das Tageslicht natürlich vorhanden und der Betroffene ihm daher ohnehin ausgesetzt ist. Ein weiterer Vorteil des Tageslichts ist es, dass der Biorhythmus sich danach richtet. Somit fördert es wohl einen geregelteren Schlaf-Wach-Rhythmus und kann vielleicht in einer nicht allzu akuten Phase Schlafprobleme lindern.

Manische Phase – wie Angehörige am besten vorgehen

  • Erstellen Sie am besten bereits vorher einen Notfallplan, wie im akuten Fall vorgegangen werden muss. Schreiben Sie auch die Telefonnummern aller wichtigen Ansprechpartner (Fachärzte, Notdienste sowie alle Dienste, die bei der Betreuung des von der bipolaren Störung Betroffenen beteiligt sind) auf einen Zettel und bewahren diesen gut auf.
  • Umgang mit dem Betroffenen: Lassen Sie ihn einfach reden. Geben Sie Acht, aber geben Sie ihm nach Möglichkeit nicht zu sehr das Gefühl, dass er kontrolliert wird. Ungefährliche Dinge können Sie ihn einfach tun lassen. Schreiten Sie nur bei wirklich heiklen Aktivitäten ein. Das entstandene Chaos können Sie auch später noch beseitigen. So lange Sie alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben, kann nicht allzu viel Schlimmes passieren. Provozieren Sie ihn nicht zusätzlich, versuchen Sie ihn möglichst zumindest etwas zu beruhigen. Lassen Sie sich auch nicht auf denselben Rhythmus ein, sondern versuchen Sie, so gut es geht, Ruhe zu bewahren und auszustrahlen.
  • Grenzen Sie sich so gut es geht ab. Nutzen Sie bei der Betreuung die Ruhephasen des Betroffenen, um sich selber zu erholen. Sorgen Sie für Entlastung, indem Sie sich bei der Betreuung mit den anderen Angehörigen und sonstigen Vertrauenspersonen abwechseln.
  • Weihen Sie vertrauenswürdige Nachbarn des Betroffenen in seine psychische Erkrankung ein, damit diese im Fall der Fälle besser helfen können. Aufmerksame und hilfsbereite Nachbarn merken zwar auch so, wenn etwas nicht stimmt, und unterstützen Sie und den Bipolaren im Notfall ohnehin. Wenn Sie oder der Betroffene die bipolare Störung nicht direkt erwähnen möchten, sollten Sie wenigstens sicherstellen, dass im Akutfall die Nachbarn mit aufpassen und bei Bedarf auch jemand zum Helfen da ist.
  • Warten Sie lieber nicht zu lange, um dieFachärzte über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Mit der richtigen Anpassung der Medikamente kann vielleicht das Schlimmste verhindert werden. Wenn eine manische Phase bereits merklich fortgeschritten ist, sollten Sie besser nicht bis zum Wochenende mit den weiteren Schritten warten. Am Wochenende sind viele Notdienste nicht erreichbar oder nur notdürftig besetzt, und auch die Einweisung in die Psychiatrie könnte sich dann schwieriger gestalten.
  • Ist die Manie noch nicht allzu sehr fortgeschritten, etwa in der Anfangsphase oder beim Abklingen im Rahmen der Behandlung, sind moderate Ausgänge in Begleitung, möglichst nur in reizarmer Umgebung (etwa für Spaziergänge), möglich.
  • In einer akuten Manie sollten Sie den Betroffenen niemals alleine in der Wohnung lassen.

Wenn die Manie bereits ihren Höhepunkt erreicht hat:

  • Es mussrund um die Uhr jemand zur Betreuung da sein, idealerweise im Wechsel. Auf jeden Fall sollten mehrere Vertrauenspersonen sich gegenseitig so gut es geht entlasten.
  • An seine Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, grundsätzliche Hygiene) muss der Betroffene in dieser Phase nicht nur erinnert werden, sondern benötigt dabei ggf. konkrete Unterstützung. Sonst werden diese vergessen. Auch auf die Medikamentengabe müssen Sie und alle anderen ihn betreuenden Angehörigen verstärkt achten und dass diese auch tatsächlich (mit ausreichend Flüssigkeit) hinuntergeschluckt werden. Erschwert wird dies in der Manie dadurch, dass sich der von einer bipolaren Störung Betroffene mitunter vehement dagegen wehren kann, wenn er gerade aufgedreht ist und Hunderte anderer durcheinander wirbelnder Ideen im Kopf hat. Hier ist behutsames, ruhig bestimmtes Vorgehen gefragt.
  • Schließen Sie wichtige Papiere und Wertgegenstände weg, damit der Betroffene sie nicht verlegen kann. In der manischen Phase kann es nämlich sein, dass er alles durcheinander bringt, etwas vernichtet oder wegschmeißt.
  • Halten Sie alle spitzen Gegenstände sowie alkoholische Getränke(falls vorhanden)außer Reichweite des Betroffenen. Es besteht sonst Verletzungsgefahr. Alkoholische Getränke, egal wie hochprozentig sie auch sein mögen, könnten einfach gekippt werden. Generell würden sich auch geringere Mengen Alkohol bei einer Manie fatal auswirken. Auch auf Kaffee und andere Aufputschmittel sollte in der manischen Phase verzichtet werden.
  • Schließen Sie die Wohnung des Bipolaren ab und nehmen Sie die Schlüssel in Verwahrung. Der Betroffene wird sich natürlich gegen die Einschränkung seiner Freiheit wehren, womöglich laut schimpfen und vielleicht auch Aggressionen äußern. In diesem Zustand bestünde bei einem unbeaufsichtigten Ausgang allerdings eine sehr große Gefahr für einen Unfall. Alles, was ihm zurzeit im Kopf herumschwirrt, hat dann für ihn eine größere Priorität wie zum Beispiel der Straßenverkehr. Ein Sicherheitsbewusstsein ist dann praktisch nicht vorhanden, ebenso wenig wie er für vernünftige Argumente empfänglich wäre.
  • In dieser Phase ist die Einweisung in eine Psychiatrie meist unumgänglich. Da die manischen Phasen besonders am Anfang insgesamt über mehrere Wochen gehen können, wäre die Belastung und Verantwortung für Angehörige andernfalls irgendwann nicht mehr tragbar.

Handlungsempfehlungen und Hinweise für die depressive Phase

  • Auch in der Depression sollte die Stimmung des Betroffenen beobachtet werden.
  • Kommunizieren Sie mit dem Betroffenen. Wichtig ist, wieder einen Zugang zu ihm zu finden. (In der Manie hingegen ist der Zugang noch da, aber eben sehr flüchtig und durch den ständigen Stimmungs- und Themenwechsel erschwert.)
  • Animieren Sie ihn behutsam zu angenehmen Aktivitäten. Ermuntern Sie ihn, seinen Hobbies nachzugehen, die ihm früher Spaß gemacht haben.
  • Achten Sie auch hier darauf, dass er seine Grundbedürfnisse erfüllt, und unterstützen Sie den Depressiven bei Bedarf dabei. In dieser Phase wird er sich nicht wehren, sondern braucht eher Anleitung. Fordern Sie ihn aber nicht zu sehr. Auch kleine Schritte sind in der Depression viel wert. Größere Schritte und vor allem zu viel auf einmal überfordern den Betroffenen in dieser Situation.
  • Grundsätzlich ist die depressive Phase für Angehörige längst nicht so schwer zu handhaben wie die manische Phase. Da der Antrieb des Betroffenen in der Depression ohnehin reduziert ist, ist die Gefahr, dass etwas Ernsthaftes passiert, in diesem Fall deutlich geringer. Dennoch sollten Sie auch hier den Zustand beobachten und die nötige Unterstützung geben. Auch wird es Sie als Angehöriger beruhigen, wenn alle wichtigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind.
  • Aufpassen sollten Sie insbesondere dann, wenn Sie konkrete Anzeichen einer Suizidgefahr sehen oder der Betroffene anfängt, davon zu reden, dass er sich umbringen will. Dann ist Obacht angesagt, und der behandelnde Psychiater oder Therapeut sollte schnellstmöglich informiert werden, damit weitere Schritte eingeleitet werden können.

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